Deutsche Banken
Flickschusterei macht Ramschbank-Konzept nicht besser

Deutschen Banken wird es nun erlaubt, ältere Bewertungen anzusetzen, wenn sie ihre Giftpapiere aus der Bilanz entfernen. Anleger freut das, denn sie hoffen, dass die neuen Regeln zusätzliches Kapital für die Commerzbank und ihresgleichen bringt. Das ist aber nicht sehr wahrscheinlich.
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Die stotternde deutsche Ramschbank braucht einen wirklich funktionierenden Motor. Was sie bekam, war nur eine frische Lackschicht.

Das Gesetz, mit dem für jede Bank eine Zweckgesellschaft für illiquide und problematische Papiere geschaffen wird, steht kurz vor der Verabschiedung. In früheren Versionen war die Bewertung der in diese Vehikel zu übertragenden Vermögenswerte mit ihrem Wert am 31. März 2009 abzüglich zehn Prozent festgesetzt. Nach der jüngsten Wendung können Banken die Uhr bis zur Zeit vor dem Kollaps von Lehman Brothers zurückdrehen, nämlich bis zum 30. Juni 2008.

Anleger scheinen zu glauben, dass diese Änderung den Banken zusätzliches Kapital verschafft, indem der Wert abgeschriebener Vermögenswerte bei der Übertragung in die Zweckgesellschaften heraufgesetzt wird. Die Aktien der Commerzbank zogen am Mittwoch um 19 Prozent an.

Doch die neuen Regeln beheben nicht das Grundproblem des Konzepts, dass nämlich der Gesetzgeber den Aktionären alle Risiken übertragen will. Ein höherer Übertragungskurs mag unmittelbar die Illusion von mehr Kapital erzeugen, dies könnte aber sehr wahrscheinlich aufgewogen werden durch die Erfordernis, für höhere Verluste größere Rückstellungen zu bilden.

Banken können Gewinne bis zu 20 Jahre dazu nutzen, die Differenz zwischen dem Übertragungskurs und dem vom Regulator bestimmten Fundamentalwert der Vermögenswerte auszugleichen, der voraussichtlich etwas näher am Fälligkeitswert liegen dürfte. Im Endeffekt müssen die Aktionäre für alle Verluste aus den Giftpapieren geradestehen, unabhängig davon, welche Bewertung benutzt wird.

Der Steuerzahler wird nur dann zur Kasse gebeten, wenn eine Bank die im Gegenzug für die Giftpapiere erhaltenen und von der Regierung garantierten Anleihen nicht zurückzahlen kann. Dafür müsste ein Kreditgeber zwei Jahrzehnte lang unprofitabel sein, oder innerhalb dieser Zeitspanne zusammenbrechen. Die Ramschbank wird dadurch kaum verlockend.

Der Steuerzahler könnte am Ende doch noch helfen müssen. Die Ramschbank scheint nämlich nicht weit genug entfernt von den Bilanzen der Ursprungsbanken, um Druck von den Eigenkapitalquoten zu nehmen. Das Gesetz hilft den Banken bei der Bewältigung der Lage, indem ihnen erlaubt wird, Vorzugsaktien auszugeben, die gegenüber den staatlichen Ansprüchen auf die Gewinne vorrangig sind. In einer weiteren tiefen Rezession könnte diese Nachrangigkeit die Regierung noch teuer zu stehen kommen.  Alles in allem scheint die jüngste Reparatur die deutsche Ramschbank nicht in Form gebracht zu haben. Irgendwann wird Deutschland das klapprige Konzept noch einer echten Verbesserung unterziehen müssen. 

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