Deutsche Banken
Fremde bleiben außen vor

Lloyds, Santander und ING sind interessiert an einer Postbank-Übernahme, doch einheimische Bieter können einen höheren Preis zahlen. Die deutsche Ideallösung wäre eine Dreierfusion mit Commerzbank und Dresdner, doch das könnte länger dauern, als der Verkäufer Deutsche Post zu warten bereit ist.

Deutschlands lang erwartete Bankenkonsolidierung scheint endlich im Gange zu sein. Zuletzt beherrschten fremde Banken die Schlagzeilen. Doch umso schneller das Tempo des Hochzeitstanzes wird, desto mehr sieht es nach einer hauptsächlich deutschen Beteiligung aus.

Zur Zeit ist das riesige Privatkundeninstitut Postbank die begehrte Braut. Ihre Muttergesellschaft ist die Deutsche Post, der 50 Prozent plus einer Aktie gehören. Zu den Freiern gehören einige Ausländer: die spanische Santander, die niederländische ING und die britische Lloyds. Doch die Fremden müssen mit einheimischen Rivalen rechnen: der Dresdner Bank, der Commerzbank und der Deutschen Bank.

Die deutschen Bieter könnten gewillt sein, an einer Dreifachfusion von Dresdner, Commerzbank und Postbank zu arbeiten. Diese Kombination ergäbe einen klaren Marktführer unter den deutschen Banken in Aktionärsbesitz und einen besseren Wettbewerber gegenüber den dominanten, in öffentlichem Besitz befindlichen Instituten. Sie würde auch einem Möchtegern-Schwiegervater gefallen, der Allianz. Die Besitzer der Dresdner Bank würden eine größere Plattform für den Verkauf ihrer Versicherungsprodukte bekommen.

Die Deutsche Post jedoch ist wohl nicht gewillt, so lange zu warten, wie das Arrangieren einer solch komplexen Lösung dauern würde. Statt dessen wird sie eher den höchsten gebotenen Preis akzeptieren. Der Gewinner wird wohl eine deutsche Bank sein, die es sich leisten kann, für den Zugang zu den 15 Millionen Postbank-Kunden zu zahlen. Diese Kundenbasis wäre eine große Hilfe im fragmentierten und nicht sehr profitablen deutschen Privatkundengeschäft. Fremde könnten von Kostensenkungen träumen, doch die harte Realität ist, dass Postbank-Angestellte geschützte Staatsdiener sind.

Es kann gut sein, dass die Veräußerung der Postbank nicht die letzte deutsche Paarung ist. Der Allianz wird nachgesagt, das Interesse an der kompletten Dresdner Bank verloren zu haben. Sie könnte einen Minderheitsbeteiligung an einer größeren Privatkundenbank bevorzugen. Die Dresdner-Kleinwort-Investmentbank wäre in den derzeitigen Märkten schwer zu verkaufen, doch die einheimischen Geschäfte könnten profitabel in das Investmentbank-Geschäft anderer Institute integriert werden, etwa in das der Commerzbank.

Dann gibt es auch noch die Citibank SA mit zwei Millionen gehobenen Klienten, die erfolgreichste Bank in Deutschland in ausländischem Besitz. Sie steht zum Verkauf, und der Deutschen Bank sagt man Interesse nach. Dies könnte jedoch die eine deutsche Braut sein, die doch von einem Fremden abgeschleppt wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%