Deutschen Bank
Klingt bekannt

Der erste Quartalsverlust seit fünf Jahren hätte schlimmer ausfallen müssen. Der Einschnitt bei Risikokrediten und Gewerbeimmobilien fiel deutlich geringer aus als in der Vergleichsgruppe. Gewinne aus dem Verkauf von Industriebeteiligungen schönen die Zahlen zusätzlich. Der schöne Schein, der nach der Ankündigung sich von Problemkrediten zu trennen auf die Deutsche fiel, verblasst

Die Deutsche Bank ist zurück ins Glied getreten. Mit ihrem geringen Engagement auf dem US-amerikanischen Subprime-Markt hatte sie allen Grund, sich auf die Schulter zu klopfen – und tat das ausgiebig. Aber auch die Deutsche Bank hat sich im Netz der Kreditkrise verfangen und ihr Kerngeschäft leidet. Abschreibungen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro und deutliche Ertragsrückgänge haben zu einem Vorsteuerverlust von 254 Millionen Euro im ersten Quartal geführt – der erste Verlust seit fünf Jahren. Er hätte noch schlimmer ausfallen müssen.

Die Bewertung von Risikokrediten, Gewerbeimmobilien und Alt-A-Darlehen (Immobilienkredite, deren Qualität besser als Subprime aber geringer als erstklassig eingestuft wird) fiel bei der Deutschen weniger streng aus als bei anderen, vergleichbaren Banken. Vom umfangreichen Portfolio an Beteiligungskrediten schrieb die Deutsche 9 Prozent ab, die Credit Suisse strich bei sich gleich 15. Bei Krediten für Gewerbeimmobilien waren es bei der Deutschen 6, bei der Royal Bank of Scotland 17 Prozent. Aus der Deutschen Bank hieß es dazu, die Portfolios seien nicht vergleichbar. Das stimmt schon, allerdings verliert das Argument vor dem Hintergrund der hochoptimistischen Aussagen der Vergangenheit einiges an Glanz.

Vor gerade einmal zwei Monaten prophezeite Vorstandschef Josef Ackermann der Bank einen Gewinn von 8,4 Milliarden Euro für das Jahr 2008, die Consensus-Schätzungen lagen damals bei vorsichtigeren 7,1 Milliarden. Inzwischen sind die Erwartungen weiter auf 6,2 Milliarden gesunken. Von Ackermann hört man dazu nur den optimistischen Kommentar, die Bank werde aus der Krise gestärkt hervorgehen – wenn alles gut läuft.

Zu feiern gibt es da augenblicklich wenig. Auch die Analysten, die davon ausgehen, dass der Vorsteuergewinn voraussichtlich nur um 25 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurückbleiben wird, wirken schon sehr optimistisch. Ihre Schätzung bedeutet, dass der Gewinn in jedem der noch verbleibenden Quartale höher ausfallen muss, als bei der ursprünglichen 8,4-Milliarden-Dollar-Prognose zu erwarten gewesen wären. Hinzu kommt, dass der Verlust im ersten Quartal durch Gewinne in Höhe von 845 Millionen Euro aus dem Verkauf von Anteilen an Daimler, Allianz und Linde geschönt wurde.

Die Erträge aus dem Firmenkunden- und Wertpapiergeschäft fielen um 40 Prozent, also stärker als bei vielen Konkurrenten. Und der Anteil der Risikokredite am Portfolio ist nach wie vor mit 33 Milliarden Euro sehr hoch. Das gleiche gilt auch für das Engagement in Gewerbeimmobilien in Höhe von 16,4 Milliarden Euro.

Und selbst die hervorragende Tier-1 Eigenkapitalquote von 9,2 Prozent kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bilanzsumme durch derivative Vermögenswerte um 14 Prozent gestiegen ist. Damit gehört die Bilanz der Deutschen Bank zu den am stärksten durch Schulden belasteten in Europa – mit einem Verhältnis Bilanzsumme zu Tangible Equity (Eigenkapital abzüglich Firmenwert) von 93. Das Subprime-Risiko zu begrenzen, war sicherlich richtig, hat aber nicht gereicht, um die Deutsche von allen Problemen frei zu halten. Es sieht allmählich danach aus, dass die Deutsche Bank zu einer Kapitalerhöhung gezwungen werden könnte, wie so viele andere Banken auch.

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