Devisen
Auch der Yen steigt

In der heimischen Wirtschaft sieht es gar nicht gut aus, aber der japanische Yen und der US-Dollar gewinnen schnell an Wert. Der panische Rückzug des einst so risikofreudigen Finanzsektors treibt die Währungen dabei stärker an als die ökonomischen Fundamentaldaten. Carry-Trades sind zu gefährlich geworden.

Es wirkt schon kurios. Yen und Dollar steigen, während die japanische und die amerikanische Wirtschaft auf Talfahrt gehen. Japan plagen Finanznöte und der Staat pumpt Liquidität ins Bankensystem. Die US-Regierung hat die Staatsverschuldung soeben um fünf Prozent ihres BIP aufgestockt - Inflationsgefahr und zukünftige Dollarabwertung sind damit vorprogrammiert. Aber der Anstieg von Yen und Dollar hängen weniger mit wirtschaftlichen Fundamentaldaten als vielmehr mit reiner Finanzalchimie zusammen, und die ist giftig geworden.

Der Pfund Sterling/Yen-Wechselkurs kann helfen zu erklären, was da eigentlich vor sich geht. Am Montag fiel das Pfund gemessen am Yen auf ein Fünfjahrestief von etwa 180 Yen pro Pfund - ein Absturz gegenüber dem wiedererstarkenden Yen um 30 Prozent seit Juli 2007. Der Rückgang ist Spiegelbild des 30prozentigen Anstiegs, den das Pfund in den davorliegenden beiden Jahren gegenüber dem Yen hinlegte, als der britische Immobilienmarkt noch fröhlich sprudelte.

Aufstieg und Fall des Sterling wurden überwiegend durch die sogenannten Yen-Carry-Trades verursacht. Von Mitte 2004 bis Anfang 2007 erhöhten ausländische Banken ihre kurzfristige Verschuldung in Japan von 3 Prozent auf über 40 Prozent und erhöhten ihre Kreditaufnahmen damit auf etwa 80 Milliarden Dollar. Yen-Kredite waren zu sehr niedrigen Zinsen erhältlich. Globale Investoren nahmen die aufgenommenen Yen und tauschten sie in Währungen, die höhere Renditen versprachen, oder sie investierten das Geld in andere Vermögenswerte, wie zum Beispiel in Rohstoffe.

Auf den Währungsmärkten führte das zu einer Abwertung des Yen, obwohl die japanische Handelsbilanz einen gesunden Überschuss aufwies. Andere Währungen wurden dagegen nach oben getrieben, wie das britische Pfund - mit einer Wirtschaft im Hintergrund, die von steigenden Immobilienpreisen beflügelt wurde, unter hohen Zinsen litt und sich einem Rekorddefizit in der Handelsbilanz gegenübersah. Aber darüber brach das Gebilde zusammen.

Auch der Dollar wurde zum Opfer dieser Entwicklung und eines Handelsbilanzdefizits von 6 Prozent des BIP 2006. Aber inzwischen können sich Länder von der Eurozone über Russland bis Australien kaum noch superstarke Währungen leisten.

Hinzu kommen dubiose US-Kreditkonstrukte, wie Asset Backed Securities, die an begierige ausländische Banken exportiert wurden und nun in ohnehin schon stark gesuchten Dollar refinanziert werden müssen.

Unter diesen Umständen sind längerfristige Trends schwer auszumachen. Es sind nicht die fundamentalen Wirtschaftsdaten, die Yen und Dollar gegenwärtig so stark nach oben treiben. Aber ihr Einfluss könnte wieder stärker werden, auch wenn sich im Finanzsektor die Katerstimmung nach der fröhlichen Feier noch eine Weile hält.

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