Devisen
China Dollar: Subtile Rippenstöße

Die chinesische Zentralbank investiert 50 Mrd. Dollar in den IWF - in der eigenen Landeswährung. Das wird den Dollar nicht ins Wanken bringen und China auch keinen größeren Einfluss beim IWF sichern. Aber indem China den Renminbi stärker in die weltweite Wirtschaft einbringt, setzt das Land seine schwelende Kampagne zur Absetzung von Uncle Sam subtil fort.
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China ist immer noch vom Dollar abhängig - aber das hält das Land nicht davon ab, Uncle Sam gelegentlich einen Seitenhieb zu versetzen. Der jüngste Akt dieser Respektlosigkeit besteht im Kauf von Anleihen im Wert von 50 Mrd. Dollar, die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) in seiner eigenen Kunstwährung, den Sonderziehungsrechten, begeben werden. Man kann dies durchaus als einen weiteren Trippelschritt Chinas bewerten, sich vom Greenback abzusetzen.

Sicher, der Betrag, um den es geht, ist winzig. Weder packt er das Hauptproblem Chinas an, was mit seinen Dollar-Anlagen über 1,7 Bill. Dollar geschehen soll, da die Bonds in Renminbi bezahlt werden. Noch wird sich dadurch der direkte Einfluss des Landes auf den IWF mehren. Der Weltwährungsfonds misst der wirtschaftlichen Größe des Landes immer noch zu wenig Gewicht bei, während er andere Mitglieder wie die EU und Saudi-Arabien überbewertet.

Was der IWF-Deal jedoch bewirken könnte, ist ein weiteres Einbringen des Renminbi in eine Weltwirtschaft, die vom Dollar bestimmt wird. Die Zentralbanken, die Ausleihungen aus dem Geldsammelbecken des IWF vornehmen, könnten jetzt dabei letztendlich in der chinesischen Landeswährung bedient werden. Die Notenbanken werden die Beträge vielleicht sofort wieder gegen Dollar eintauschen, wodurch sich der chinesische Dollar-Berg um einen Mikromillimeter verkleinern würde. Oder sie nutzen das Geld möglicherweise, um damit auf direktem Weg für chinesische Exporte zu zahlen.

Das passt zu den chinesischen Plänen, den Renminbi als Handelsvehikel auf Testfahrt zu schicken. Provisorische Export-Import-Abschlüsse mit Brasilien und Malaysia wurden bereits abgeschlossen, mit anderen aufstrebenden Volkswirtschaften wurden Währungsswaps vereinbart. Banken in Hongkong begleichen Exporthandelsgeschäfte mit dem "Redback", während die HSBC und die Bank of China Renminbi-Anleihen begeben haben.

Vorerst stecken diese Pläne noch in den Kinderschuhen. Doch die schwelende Kampagne, Uncle Sam zu entthronen, gewinnt an Fahrt. Im März war der Vorschlag eines chinesischen Notenbankers, die Sonderziehungsrechte als globale lingua franca einzusetzen, als verrückte Idee verworfen worden. Jetzt hat die Vorstellung einer Reserve, die nicht auf Dollar lautet, Einzug in die globale Diskussion gehalten. China sitzt immer noch auf zu vielen überschüssigen Dollar-Scheinen, aber jetzt fragen sich die Verantwortlichen laut und vernehmlich, wie sich dieser Zustand ändern lässt.

Die US-Währung wird ihre Vorrangstellung auf Jahre hinaus wohl kaum einbüßen. Dazu müsste China seinen enormen Handelsbilanzüberschuss mit den USA erst einmal abbauen - und genau dieser sichert dem Greenback seinen Status als die globale Währung schlechthin. Aber eines Tages wird der Moment kommen, in dem der Dollar in die Krise gerät. Dazu werden die vielen subtilen Rippenstöße seines Hauptgegners schon beitragen.

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