Devisen
Das große Zittern um das Pfund

Durch den britischen Supersommer weht eine kühle Brise. Wieder einmal war es die Bank of England, die den Wettersturz verursachte. Ihre Entscheidung, 50 Milliarden neu zu drucken, hat das zuvor unerschütterliche Pfund schwer gebeutelt. In nur zwei Handelstagen verlor die Währung gegenüber dem Dollar drei Prozent.
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Wahrscheinlich reagiert die Zentralbank mit einem kurzen Schulterzucken auf den Kursabfall. Der Chefökonom der Zentralbank, Spencer Dale, bezeichnete den Wechselkurs im Juni als "zentralen Kanal, um die Lockerung der Geldmarktpolitik zu transportieren". Das schwache Pfund begünstigt Exporte, Touristik und Inflation. Die 1,8-prozentige Inflationsrate im Königreich ist weit von der in den USA, der Eurozone, Japan und selbst China herrschenden Deflation entfernt. Steigende Preise drücken den Realzinssatz, bisweilen sogar ins Negative. Greift die Deflation, ist dies unmöglich.

Die derzeit 175 Mrd. Pfund umfassende quantitative Lockerung der Geldmarktpolitik soll milde inflationssteigernd wirken, da sie das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts fördert. Sollte es weiter am Wachstum hapern, könnte das Erleichterungsprogramm nach hinten losgehen. Die Regierungsprognosen ergeben eine Neuverschuldung von 348 Mrd. Pfund bis Ende des nächsten Finanzjahres. Es besteht die Gefahr, dass der Markt solch eine Summe nicht toleriert - insbesondere, wenn gleichzeitig viel frisches Geld gedruckt wird.

Der US Dollar zeigte Anfang des Jahres Schwäche, nachdem die Zentralbank sich verpflichtete, 300 Mrd. Dollar an Staatsschulden aufzukaufen. Und das waren gerade einmal zwei Prozent des BIP, verglichen mit den dreizehn Prozent des BIP, die die BoE, größtenteils für Rentenpapiere, ausgeben will.

Es käme überraschend, würde das Pfund nicht weiter fallen. Leicht könnte die Währung ihren Tiefstand von 1,40 Dollar unterbieten. Der Erholung der Wirtschaft wäre damit geholfen. Sollte aber die Sorge um die britischen Finanzen in Panik umschlagen - wenn etwa die Staatsverschuldung die Prognosen übersteigt - könnte der Fall dramatisch verlaufen.

Der Markt hielt sich bis zum Sommer erstaunlich wacker. Der Herbst könnte schwieriger werden. Sollten geldpolitische Notmaßnahmen erforderlich werden, stünde die Bank womöglich vor einer peinlichen Kurskorrektur.

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