Die Fed in der Finanzkrise
Noch jemand ohne?

Mit ihrer Rettung der Investmentbank Bear Stearns hat die Fed zum dritten Mal in einer Woche die Vorschriften für die Liquiditätszufuhr an die Märkte gelockert. Wenn noch mehr Institute Geld brauchen, könnte sich die Feuerkraft ihrer konventionellen Waffen über 700 Mrd. Dollar bald ziemlich erschöpft haben. Dann muss sie auf noch unkonventionellere Instrumente zurückgreifen.

Die Rettung von Bear Stearns durch die Federal Reserve ist der jüngste in einer Reihe von immer verzweifelteren Versuchen der Notenbank, das Finanzsystem vor einer Totalblockade zu bewahren. Innerhalb von nur einer Woche hat die US-Zentralbank die Art, wie sie die Märkte mit Liquidität versorgt, sage und schreibe dreimal geändert. Damit stellt sich eine entscheidende Frage: Wenn andere Wertpapierhäuser, und vielleicht in absehbarer Zeit andere bedeutende Finanzinstitute, Bear Stearns in die Liquiditätswüste folgen, hat die Fed dann noch die Mittel, ihnen zu helfen?

Die jüngste Transaktion sieht vor, dass die Fed JPMorgan Mittel bereitstellt, die die große US-Bank an Bear Stearns weiterleitet. Der Umfang des Deals scheint nicht begrenzt zu sein. Als eine im Einlagengeschäft tätige Bank hat JPMorgan Zugang zu einer bestehenden Fed-Einrichtung: dem Diskontfenster. Sie überlässt der Fed Sicherheiten, die auch hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) umfassen können, und erhält im Gegenzug Bares. JPMorgan zahlt einen Zins von 3,5 Prozent, bestehend aus dem Fed-Funds-Satz plus 50 Basispunkte. Bear, dem als Wertpapierhaus der Zugang zum Diskontfenster verwehrt ist, hat mit JPMorgan ein Gegengeschäft abgeschlossen, um dieses Geld zu erhalten.

Die Fed musste ihren Modus Operandi auf dem Geldmarkt ändern, weil nur im Passivgeschäft tätige Banken Ausleihungen am Diskontfenster vornehmen können. Da die Banken Ressourcen horten, wurden Kredite nicht an andere Bereiche des Systems weitergereicht, selbst nicht an Broker wie Bear. Die Finanzierungen sind oft auch zu kurzfristig, um bei anhaltenden Liquiditätsproblemen wirken zu können. Darüber hinaus haftet dem Diskontfenster ein geschichtliches Stigma an.

Die Fed hat deshalb auch ein paar andere Wege erkundet. Da wäre zum Beispiel die Term Auction Facility, kurz TAF. Im Zuge dieser befristeten Initiative können Banken, nicht aber die Broker, bei zweiwöchig stattfindenden Auktionen Gebote für Darlehen mit einer Laufzeit von jeweils fast einem Monat gegen Sicherheiten, wie sie auch am Diskontfenster akzeptiert würden, abgeben. Am vergangenen Freitag hat die Fed die Obergrenze ihrer zwei März-Auktionen auf insgesamt 100 Mrd. Dollar erhöht.

Gleichzeitig hat die US-Notenbank ihre so genannte Term Securities Lending Facility (TSLF) vorgestellt. Gemäß dieser Fazilität, die ursprünglich bis zu 200 Mrd. Dollar umfasst, wird die Fed höchst liquide Treasuries gegen verschiedene Arten von Sicherheiten, darunter auch MBS, tauschen. Die TSLF ist für die zwanzig von der Fed anerkannten Primärhändler zugänglich - eine Gruppe, zu der auch Bear zählt. Aber diese Initiative tritt erst am 27. März in Kraft – und dies wäre für Bear wahrscheinlich zu spät gewesen.

Auf dem Papier scheint die Fed eine Menge Munition zu haben. Sie hält Treasuries über etwa 700 Mrd. Dollar. Aber einmal angenommen, die TAF und die TSLF würden vollständig in Anspruch genommen, dann würde dies eine rapide Verringerung dieser Feuerkraft auf 400 Mrd. Dollar implizieren. Rechnet man eine potenziell große Summe für Bear oder andere Broker in der Liquiditätsklemme dazu, dann könnte der Vorrat der Notenbank schnell abschmelzen. Und andere Mitglieder des Finanzsystems – etwa große Finanzierer auf dem Hypothekenmarkt, die nicht zu den Primärhändlern zählen – könnten auch in Schwierigkeiten geraten.

Die Fed kann unter gewissen Umständen zwar die Vergabe von durch Sicherheiten unterlegten Krediten direkt einer breiteren Gruppe von Instituten öffnen. Aber dies ist seit der Großen Depression nicht mehr vorgekommen Natürlich vergibt die Fed – noch – keine Kredite ohne Sicherheiten, deshalb setzt sie ihre Bilanz auch keiner allzu großen Gefahr aus. Und sie verfügt über andere geldpolitische Werkzeuge, die sich noch als nützlich erweisen könnten. Aber sie knabbert ihre unmittelbaren Kapazitäten an, angeschlagenen Instituten aushelfen zu können.

Das Straucheln selbst eines kleineren Marktteilnehmers könnte Erschütterungen nach sich ziehen, über die die Fed lieber nicht nachdenken will. Symptomatisch dafür ist ihre Rettungsaktion für Bear. Und sie könnte dazu beitragen, Schlimmeres abzuwenden. Aber wenn man einen Rettungspräzedenzfall schafft, liegt eine Gefahr darin, dass der Tank der Notenbank nicht voll genug ist, um jedem zu helfen, der sich etwas davon abzapfen will.

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