Die grünen Triebe des Pfundes
Dem Pfund fehlen für ein Erholungsrennen gute Beine

Die britische Währung profitiert von Hoffnungen auf eine globale Erholung. Die Märkte übersehen aber die fundamentale Schwäche des Landes. Im Währungswettlauf könnte das Pfund Sterling sich zwar vor den schwächelnden Euro setzen, gegenüber dem US-Dollar aber dürfte das Pfund es weiter schwer haben.
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Die britische Währung hat 1,50 US-Dollar im Blick, das ist der höchste Stand gegenüber dem Dollar seit Januar. Gegenüber dem Euro gewinnt das Pfund ebenfalls an Wert. Der Euro sank von seinen Höchstständen um 0,95 auf 0,88 britische Pfund. Händler glauben Berichten zufolge an weiteres Aufwärtspotenzial des Pfundes. In einem Erholungswettlauf kranker Volkswirtschaften und lahmender Währungen stehen die Chancen des Pfundes gegenüber dem Euro aber besser als gegenüber dem US-Dollar.

Der Devisenmarkt versucht, sich einen Reim auf die Debatte um zarte Erholungstriebe zu machen. Als die Weltwirtschaft deutlich abstürzte, herrschte die Risikoscheu vor. Großbritannien mit seinen kollabierenden Immobilienpreisen und der Bankenblase erschien besonders verwundbar, während der US-Dollar von seinem Status als globale Reservewährung und dem Nimbus des sicheren Hafens gestützt wurde. Nachdem sich die Weltwirtschaft vom Ertrinken auf das Schwimmen verlegt hat, sucht der Währungsmarkt nach einer neuen Richtung.

Einige wenige vorläufige Erholungszeichen am britischen Immobilienmarkt und eine gefühlte Bodenbildung ermutigten die Pfund-Zocker. Großbritannien steckt aber noch immer in der Krise. Die Haushaltslage ist beängstigend, und sie wird noch schlimmer werden. Die Arbeitslosigkeit steigt, und den Banken sowie den sie stützenden Steuerzahlern könnten weitere Verluste drohen, weil Zwangsversteigerungen und faule Kredite zunehmen.

Wer auf Großbritannien setzt, hat noch nichts zu bejubeln. Der Euro, der im letzten Jahr das Pfund noch in den Schatten stellte, scheint aber zu schwächeln. Die Gemeinschaftswährung wurde früher bevorzugt, weil es keine Immobilienpreisblase gab und die Handels- und Haushaltslage besser war als in den angelsächsischen Volkswirtschaften. Die Rezession ist aber tief in der Eurozone, und die Europäische Zentralbank bewegt sich ängstlich in Richtung einer Politik der quantitativen Lockerung. Der solide geldpolitische Ruf des Euro dürfte wohl bald Kratzer bekommen.

Bis heute ist der Euro schon auf etwa 1,32 US-Dollar gefallen, vor einem Jahr war er zu seinen besten Zeiten noch 1,60 US-Dollar wert. Er könnte auch gegenüber dem Pfund nachgeben. Die Chancen des Pfundes, sich gegenüber dem US-Dollar und anderen Währungen in den Vordergrund zu spielen, sind aber zweifelhaft, und jeder Jubel erscheint verfrüht. Großbritannien hat noch immer nicht die Beine, die es für ein Erholungsrennen bräuchte.

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