Die nächste Sucht
Obamas riskante Versprechen

Die üppige fiskalpolitische Stimulanz, die der designierte US-Präsident versprochen hat, beflügelt den Aktienmarkt. Aber der neue Enthusiasmus wirkt übertrieben. Selbst wenn Investoren damit rechnen, dass Obama die öffentlichen Ausgaben klug einsetzt, wird die Rezession zu tiefen Einschnitten führen. Und gigantische Haushaltsdefizite sind eine langfristige Herausforderung.

Der Greenspan-Anschub ist tot und begraben. Aber jetzt lassen sich die Anleger offenbar von Obamas Großzügigkeit berauschen. In Asien und Europa gewannen die Aktienbörsen am Montag acht Prozent. Genährt wurde die Rallye durch die vagen Ankündigung des kommenden US-Präsidenten, die Wirtschaft durch umfangreiche Ausgabenprogramme zu stimulieren.

Solange die Investoren vor allem auf billige Kredite warteten, luden traurige Wirtschaftsnachrichten dazu ein, ein willkommenes Schmerzmittel zu präsentieren: die Zinssenkungen des früheren US-Notenbank-Chefs Alan Greenspan. Aber auch die beste Droge verliert irgendwann ihre Wirkung. Gemessen am Stand vom Freitag fiel der S&P-500-Index in diesem Jahr bereits um 40 Prozent, obwohl der offizielle US-Zinssatz für Tagesgeld bereits von 4,25 Prozent auf schließlich nur noch ein Prozent gesenkt wurde.

Wenn der Patient nicht auf den ersten Behandlungsversuch reagiert, müssen die Ärzte zu stärkeren Medikamenten mit größeren Nebenwirkungen greifen. Übertragen auf die kranke Wirtschaft heißt das, wenn die Geldpolitik fehl schlägt, müssen die Staatsausgaben erhöht werden. Anleger können jetzt darauf hoffen, dass die amerikanische Regierung einen Haufen Geld in die Wirtschaft pumpt. Und überall auf der Welt werden andere Regierungen ihrem Beispiel folgen.

Obama nannte am Sonntag weder im Fernsehen noch bei der anschließenden Pressekonferenz genaue Zahlen, aber Analysten rechnen im kommenden Jahr mit einem Fiskalprogramm von 500 Milliarden Dollar. Die Ausgaben erhöhen das durch die Rezession und die verschiedenen Hilfsaktionen bereits verursachte Defizit von einer Billion Dollar noch zusätzlich. Insgesamt wird die Großzügigkeit der Regierung sich auf mehr als 10 Prozent des BIP summieren.

Sollen Investoren sich über diese Aussichten freuen? Obamas Entschlossenheit ist mit Sicherheit willkommen, genauso wie sein Fokus auf die US-Infrastruktur. Aber er muss so energisch vorgehen, weil der Patient bereits in so schlechter Verfassung ist. Die Unternehmen streichen ihre Investitionsvorhaben zusammen und wichtige Wirtschaftssektoren - das Finanzwesen, die Bauwirtschaft, die Grundstoffindustrie - schrumpfen. Die Anleger wollen die Situation immer noch nicht wahrhaben. Die Gewinnerwartungen 2009 für Unternehmen außerhalb der Bankenbranche sind nach Angaben von Société Générale bisher um lediglich zwei Prozent gesunken.

Obamas Pläne sind riskant. Selbst wenn es dem neuen Präsidenten gelingt, die staatlichen Ausgaben geschickt zu managen, müssen die gigantischen Defizite irgendwie finanziert werden: durch zukünftige Steuern, anspruchsvolle Ausländer oder die Notenpresse. Welche Mixtur Obama auch wählt, der Markt sollte sich auf Nebenwirkungen einstellen.

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