Diplomatische Dividenden
Banken lernen in China

Goldman Sachs und HSBC haben mit ihren chinesischen Bankeninvestments Riesenrenditen verdient. Aber offenbar schrecken sie davor zurück, die Gewinne jetzt zu realisieren - ein Verlust von potenziellem Geschäft könnte teuer werden. Sie werden genau verfolgen, ob UBS und RBS, die ihre Beteiligungen verkauft haben, an die Seite gedrängt werden.
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Ausländische Banken in China: Banker sprechen oft von strategischen Investments. Über die hässliche Kehrseite, die "negativen strategischen Investitionen" sprechen sie seltener. Gemeint sind damit Situationen, in denen die Trennung von einem Anteil geringere Erträge verspricht als weiter investiert zu bleiben. Man denke zum Beispiel an die Beteiligungen westlicher Banken an chinesischen Kreditinstituten. Während einige bereits verkauft haben, halten andere Diplomatie für die beste Strategie.

Ein solcher Diplomat ist Goldman Sachs. Die Bank hat gerade auf ihr Recht verzichtet, in diesem Jahr 4,9 Prozent ihrer Anteile an der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) zu verkaufen. Auch HSBC behält seinen 19,9-Prozent-Anteil an Bank of Communications.

Die Investitionen haben bereits eine schöne Stange Geld abgeworfen. Goldman kaufte sich 2006 für 2,6 Milliarden Dollar bei ICBC ein und hat bisher wohl rund 1 Milliarde Dollar Dividende kassiert. HSBCs Investment hat 580 Millionen Dollar (im englischen Text stand "$580bn of dividends" - das scheint mir doch übertrieben) eingebracht, bei einer Beteiligung in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar.

Aber wirklich beeindruckend sind die Buchgewinne. Der Marktwert des Goldman-Anteils ist um rund 250 Prozent gestiegen, HBSCs um 210 Prozent. Royal Bank of Scotland und UBS, die ihren Anteil von zusammen 6,5 Prozent an Bank of China im Januar verkauft haben, ohne auch nur eine Verdopplung ihres Einsatzes zu erreichen, könnten darüber neidisch werden.

Wenn die Eigentümer sich aber von ihren Anteilen nicht trennen können, bleiben ihre Gewinne in gewisser Weise Illusion. Aus diesem Grund preisen diplomatische Banken den besonderen Zusatznutzen an, den sie durch diese Beteiligungen gewinnen, wie etwa den Verkauf von Kreditkarten, Versicherungen oder Investmentprodukten durch die Partner. Goldman erhielt so die Traumrolle, ICBC bei der Akquisition einer 5,5-prozentigen Beteiligung an Standard Bank zu beraten.

Dieser Nutzen ist real. Es gibt allerdings auch Gründe anzunehmen, dass es gar nicht mehr die Multimilliardeninvestments sind, die chinesische Banken veranlassen, Partnerschaften einzugehen. Was die chinesischen Kreditgeber interessiert, ist Expertise in Bereichen wie Risikomanagement und Corporate Governance. Kapital haben sie selbst im Überfluss.

Aber für diejenigen, die bereits Beteiligungen besitzen, zählt der strategische Wert der "negativen Investitionen". UBS und RBS testen diese Theorie. Beide bleiben in China präsent, aber wenn ihnen ihr Kapitalabzug verübelt wird, schwinden die Aussichten auf lukrative Mandate und Wachstumschancen.

Doch selbst wenn sich herausstellt, dass die Aussteiger die Verlierer sind, haben die Bleibenden noch nicht unbedingt gut lachen. Werden die chinesischen Banken größer und klüger, wird die Ausbeute für alle anderen kleiner. Diejenigen, die sich zum Bleiben entschlossen haben, könnten sich eines Tages auf dem Abstellgleis wiederfinden - strategisches Investment hin oder her.

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