Discover/Diners Club
Die Karte ist (nicht) der Schlüssel

Die Kreditkartengesellschaft Discover kauft Diners Club, den mittlerweile überholten Pionier der Kreditkarte für den wohlhabenden Geschäftsmann. Damit will Discover außerhalb der USA mehr Gewicht erhalten. Aber die Vergangenheit von Diners Club könnten ihren Schatten auch auf die Zukunft von Discover werfen.

Diners Club, der mittlerweile überholte Pionier der Kreditkarte für den Geschäftsmann, wechselt den Besitzer. Discover, die US-Kreditkartengesellschaft mit starkem Hang zum Verbrauchergeschäft, kauft die Marke und das internationale Zahlungsnetzwerk für 165 Mill. Dollar von Citigroup. Discover will international mehr Gewicht zulegen. Aber die Geschichten umwobene Vergangenheit von Diners Club, und wie die Firma in Ungnade gefallen ist, könnten ihren Schatten auch auf die Zukunft von Discover werfen.

Diners Club war 1950 gegründet worden und kam als Erster auf die Idee, dass dieselbe Karte an ganz verschiedenen Stellen eingesetzt werden kann. Fünf Jahre später wurden 200 000 Mitglieder gezählt. Ihr Image, die Karte schlechthin für den wohlhabenden Geschäftmann zu sein, war 1963 durch den Film „Der Mann vom Diners Club“ endgültig zementiert worden. Und 1984 warb auch noch der damalige US-Vizepräsident George H.W. Bush für die Marke.

Aber der Urheber der Karte für Reisen und Vergnügungen aller Art bekam harte Konkurrenz, sowohl von American Express als auch von der „Carte Blanche“ der Hilton Hotel-Kette. Später fiel er hinter Visa und MasterCard zurück. Citicorp hatte die Franchise schließlich 1981 vom vorherigen Besitzer Continental Corp. übernommen, der 1970 rund 118 Mill. Dollar - inflationsbereinigt also etwa 634 Mill. Dollar - dafür gezahlt hatte.

Trotz mehrerer Wiederbelebungsversuche, darunter eine Vereinbarung mit MasterCard aus dem Jahr 2004, die zu einer Erhöhung der Akzeptanz führte, rangiert Diners Club im Rennen um Unternehmenskonten nur noch unter ferner liefen.

Diese Geschichte könnte Discover auf unheimliche Weise bekannt vorkommen. Die Kreditkartenfirma war ursprünglich vom Einzelhändler Sears gegründet worden und hatte ihr Dasein als ungeliebtes Stiefkind von Morgan Stanley gefristet, bis sie im vergangenen Juni abgespaltet worden war. Die Marke ist einem intensiven Wettbewerb durch Visa und MasterCard ausgesetzt und wird im Ausland nicht gut angenommen. Die Aktien sind seit dem Börsengang um fast 40 Prozent gesunken und die jüngsten Unternehmensergebnisse zeigen eine Verlangsamung beim Volumen und beim Kreditzuwachs.

Das Management von Discover erwartet, dass der Deal zunächst 15 Mill. Dollar jährlich zum Gewinn vor Steuern beiträgt. Die Marke Diners Club soll aufrechterhalten und durch Investitionen gestärkt werden. Die Aktionäre sollten hoffen, dass Discover sich nicht zu eng an den vorgezeichneten Weg seiner jüngsten Akquisition hält.

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