Diskontfenster
Keine kostenlose Option

Thain und Pandit sind sich uneins darüber, ob der Zugang zum Diskontfenster der Fed bedeutet, dass die Wertpapierhäuser den gleichen Aufsichtsbestimmungen wie die Banken unterworfen werden sollten. Da ist aber noch mehr im Spiel: Die Fed verschenkt eine sehr wertvolle Option. Wenn die Banken und Broker-Häuser für diese Option einen Aufschlag zahlten, könnte sich dadurch das Risiko für den Steuerzahler mindern.

Zugang zum Diskontfenster der Fed zu haben, bedeute, dass die Investmentbanken genauer überprüft werden sollten, räumt John Thain, der Chef von Merrill Lynch, ein. Aber gleichzeitig widerspricht er Vikram Pandit, seinem Kollegen bei Citigroup, der erreichen will, dass die Wertpapierhäuser genau so streng reguliert werden wie die Banken. Die Debatte ist wichtig, aber sie geht an einem umfassenderen Punkt vorbei: Die Fed gewährt nun beiden Arten von Kreditinstituten eine kostenlose Option, sich im Notfall Mittel zu verschaffen. Dies gibt den Wall Street-Firmen einen Anreiz, größere Risiken einzugehen, denn sie wissen ja, dass sie die Kredite der Steuerzahler anzapfen können, wenn sie in Schwierigkeiten geraten.

Die Fed hat den Ausleihesatz am Diskontfenster gesenkt, hat das Spektrum für die dort akzeptierten Sicherheiten ausgeweitet, es für die Investmentbanken aufgestoßen und gehofft, auf diese Weise das Vertrauen zu stärken und die Art von Ansturm abzuwehren, der Bear Stearns in die Knie gezwungen hat. Zuerst haben sich die Investmentbanken auch daran versucht - in der ersten Woche wurden Kredite über rund 29 Mrd. Dollar in Anspruch genommen. Seitdem hat sich dieser Betrag stetig verringert. Vielleicht brauchen sie die Fazilität doch nicht so dringend, oder vielleicht hängt solchen Ausleihungen als letzter Rettung immer noch ein Stigma an. Wenn das stimmt, ist ja alles gut. Ein solcher Kugelfang sollte nicht als kostenlos erachtet werden, weder was das Geld, noch was den Ruf betrifft.

Auf jeden Fall wirkt schon allein die Option, Zugang zum Diskontfenster zu haben, für die Investoren von Investmentbanken und deren Gegenparteien vertrauensbildend. Aber die Nutznießer erbringen keine Gegenleistung. Wie bei allen Optionen müssen die Banken dafür zahlen, auch diese tatsächlich ausüben zu können, und zwar in Form von Zinsen. Aber die Option selbst ist kostenlos. Die Regierung stellt die Einlagensicherung und die Versicherung für Pensionsverpflichtungen in Rechnung. Es ist unklar, warum sie die Option, sich Zugang zur Notfallfinanzierung zu verschaffen, verschenkt, die ja wohl auch eine Art Versicherung darstellt.

Die Fed sollte von den Investmentbanken - und auch von den Banken - eine Dauerprämie erheben. Der Betrag könnte sich am Risiko der jeweiligen Institution ausrichten, wobei möglicherweise der Verschuldungsgrad als Messlatte fungieren könnte und die Eventualverbindlichkeiten der Firma, wie etwa ihr Engagement bei außerbilanziellen Vehikeln, berücksichtigt werden, so dass im Endeffekt risikofreudigere Unternehmen mehr zahlen.



Dies würde an sich schon dazu beitragen, den wenig zuträglichen Anreiz des derzeitigen Plans umzukehren. Die, die den Anschein erwecken wollen, kugelsicher zu sein, müssten die Option kaufen. Aber gleichzeitig würden sie sich aus eigenem Antrieb zusammenreißen, so dass sie dafür so wenig wie möglich zahlen müssten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%