Dividende
Google ist kein Wachstumswert mehr

Bis 2010 könnte Google liquide Mittel über 21 Mrd. Dollar angehäuft haben. Laut CEO Eric Schmidt will der Gigant der Internetsuche auf dem Geldberg sitzen bleiben. Google kann Akquisitionen aus dem Cash-Flow finanzieren. Die Firma ist zudem kein Wachstumswert mehr. Sie sollte den Aktionären Geld zurückgeben.
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Google scheint so schnell Geld zu drucken wie die amerikanische Regierung - bis zum kommenden Jahr könnte der Gigant der Internetsuche 21 Mrd. Dollar angesammelt haben. Aber anders als die Regierung unter Barack Obama beteuert Chief Executive Eric Schmidt, das Unternehmen plane keine großen Ausgaben. Es ist unklar, wofür Google das Geld braucht. Die meisten machbaren Akquisitionen könnte Schmidt aus dem Cash Flow allein finanzieren. Es wird Zeit, dass Google eine Dividende einführt.

Derzeit verfügt Google über Cash in Höhe von 16 Mrd. Dollar. Die Aussage von Schmidt, die Firma habe nicht vor, in diesem Jahr etwas davon auszugeben, lässt darauf schließen, dass der Berg weiter wachsen wird. Wenn Google mit der Geldvermehrung fortfährt - im vergangenen Jahr wies die Firma einen operativen Cash Flow von 7,9 Mrd. Dollar aus - liegen am Ende des Jahres gewaltige 21 Mrd. Dollar in ihrem Tresor.

Sollte das Unternehmen wie in den vorangegangenen Quartalen die Investitionen weiter kürzen, könnte der Vorrat sogar noch größer ausfallen. Schmidt hatte jüngst erklärt, die Ausgaben würden geringer werden und er könne keine Einnahmenverlangsamung bei Google erkennen, so dass dies plausibel erscheint. Aber sein Plan, das Geld zu horten, ist irritierend. Was hat er damit vor?

Die Branchenaufsicht wird es nicht zulassen, dass Google einen Konkurrenten im Bereich der Internetsuche wie Yahoo kauft. Sicher, Google könnte sich auf die Jagd nach einer großen, nicht zum Kerngeschäft zählenden Beute wie den Blackberry-Hersteller Research in Motion machen. Aber die Investoren würden angesichts einer solchen schleichenden Ausweitung der ursprünglichen Unternehmensziele scharf protestieren. Andererseits könnten kleinere Deals wie die Übernahme von Twitter, Salesforce.com oder sogar Facebook finanziert werden, ohne dass man gleich das ganze Sparschwein schlachten müsste.

Die Firma sollte stattdessen eine Dividende einführen. Das ist ein schwerer Schritt für Technologie-Unternehmen, denn dies wäre zugleich das Eingeständnis, dass das Geschäft ausgereift ist. Apple, zum Beispiel, zahlt immer noch keine Dividende. Aber die Tage, in denen Google bei den Quartalsgewinnen einen 50-prozentigen Zuwachs verbuchte, sind vorbei. Analysten gehen davon aus, dass die Gewinne in diesem Jahr um weniger als zehn Prozent steigen werden.

Eine Dividende würde Google dabei unterstützen, Investoren für sich zu gewinnen, die kaufen und halten. Der Aktienkurs würde sich stabilisieren. Der Markt wird nicht bezweifeln, dass Google die Ausschüttungen bezahlen kann. Die Dividende könnte also sogar Scharen von Aktionären von anderen Unternehmen weglocken, die, wie die Citigroup oder GE, ihre Dividende gekürzt haben. Für die Manager mag es spannender sein, Übernahmen einzufädeln als Dividenden zu zahlen. Aber die Reife hat ihre ganz eigenen Vorzüge. Für Google wird es Zeit, erwachsen zu werden.

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