Dividende
Strip-Poker mit Citigroup

Die Aktionäre von Citigroup haben eine Runde beim finanziellen Strip-Poker verloren. Die Bank hat den Cash Flow, der die Anteilseigner früher umhüllte, Schicht um Schicht abgetragen und die Dividende gekürzt. Selbst wenn sich die Gewinne wieder erholen, werden die Zahlungen auf das neue Kapital die Rückkehr zu den früheren Ausschüttungen verhindern.

Die US-Bank hat den Cash Flow, der die Anteilseigner früher umhüllte, Schicht um Schicht abgetragen und sie dabei jedes Mal etwas nackter da stehen lassen. Zahlungen, die die Bank auf Wertpapiere leisten muss, die sie in den vergangenen Monaten verkauft hat und von denen die meisten gegenüber dem Stammkapital vorrangig zu bedienen sind, werden den jährlichen Cash Flow von drei Mrd. Dollar aufsaugen. Damit wird es unwahrscheinlich, dass die Firma schnell zu ihrer früheren jährlichen Dividendenzahlung in elfstelliger Höhe zurückkehrt, selbst wenn das Geschäft sich wieder herausputzen kann.

Zwischen 2003 und 2006 hatte Citigroup 30 bis 50 Prozent ihrer Gewinne als Dividenden ausgezahlt. Bis 2007 näherte sich die Ausschüttung insgesamt der Marke von elf Mrd. Dollar. Aber im Januar kürzte sie die Bank um 41 Prozent. Die Investoren haben den Citigroup-Aktien einen schweren Schlag versetzt. Citigroup hat bisher keine Andeutungen darüber gemacht, die Zahlungen wieder aufnehmen zu wollen, aber einige Investoren hoffen vielleicht, dass das Management, wenn sich die Gewinne wieder erholen – an sich schon eine optimistische Vorstellung –, auch zur alten Dividendenpolitik zurückkehrt.

Leider rechnet sich das nicht. Citigroup hat in den vergangenen sechs Monaten knapp über 40 Mrd. Dollar an frischem Kapital gesammelt. Der größte Teil davon besteht aus Vorzugsaktien, für die zinsähnliche Zahlungen zu einer durchschnittlichen Jahresrate von etwas über acht Prozent zu leisten sind. Die Bank hat Instrumente begeben, die von einfachen Vorzugstiteln bis hin zu Vorzugspapieren mit einer Wandlungspflicht reichen und in dieser Woche Stammkapital in acht verschiedenen Transaktionen umfassten.

Das Ergebnis all dieser Aktionen ist, dass Citigroup sich verpflichtet hat, bis die Inhaber von Wandelinstrumenten diese tatsächlich in Aktien tauschen, drei Mrd. Dollar jährlich auszuzahlen, die sonst den Aktionären zur Verfügung gestanden hätten. Die Bank hat die Jahresdividende um rund vier Mrd. Dollar zurückgenommen, die Rechnung ist also nicht besonders kompliziert. Selbst wenn die Gewinne wieder vollständig das Niveau erreichen wie zum Höhepunkt der spekulativen Kreditblase, wird dies die Bank nicht in die Lage versetzen, wieder die alte Dividende zu zahlen, wenn sie nicht den Anteil der Erträge, die sie auszahlt, erhöht.

Natürlich musste Citigroup ihr Kapital erhöhen – und einige Analysten sind der Meinung, dass selbst dies vielleicht noch nicht ausreicht. Die Aktionäre wissen, dass sie davon als Erste getroffen werden. Sie könnten ihre Verluste auch wieder wettmachen – und mehr -, wenn die Bank sich wieder erholt. Aber auch da gibt es einen Haken. Wenn alle, die jüngst ausgegebene Wandelinstrumente halten, diese in Aktien umtauschen, dann werden sie schließlich mehr als zehn Prozent an der Bank halten – und bei den bestehenden Aktionären mit ihren ohnehin schon fadenscheinig gewordenen Anteilen für eine weitere Verwässerung sorgen.

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