Dividendenerhöhung: Shell will alles

Dividendenerhöhung
Shell will alles

Fallende Rohölpreise haben den Netto-Quartalsgewinn des größten Ölkonzerns deutlich zusammenschrumpfen lassen. Trotzdem erhöht Shell die Dividende, während das Investitionsniveau unverändert bleiben soll. Das heißt, die Schulden werden steigen. Für den zukünftigen Shell-Chef Peter Voser dürfte das Liquiditäts- und Kostenmanagement in diesem Jahr die größte Herausforderung bedeuten.

Kann Shell wirklich alles haben? Die Gewinne des größten Ölkonzerns werden in diesem Jahr dank der Talfahrt der Ölpreise deutlich sinken. Aber die düsteren Aussichten haben Shell nicht davon abgebracht, die Dividende im ersten Quartal zu erhöhen. Auch die ehrgeizigen Investitionspläne im Volumen von bis zu 32 Milliarden Dollar im Jahr 2009 will der Konzern nicht aufgeben.

Hohe Investitionen und gleichzeitig hohe Dividenden sind der Trick, mit dem Shell die Investoren seit 2008 bei der Stange halten will. Möglich wurde die Strategie durch die Rekordölpreise in der ersten Jahreshälfte des vergangenen Jahres. Die Einnahmen aus der Ölproduktion, dem Einzelhandel und der Ausgliederung von Förder- und Produktionsstätten erlaubten es, die Dividende zu erhöhen und gleichzeitig 30 Milliarden Dollar zu investieren.

Allerdings litt das Viertquartalsergebnis deutlich unter dem Ölpreisrückgang. Gemessen an den Standard-Angebotskosten der Branche betrug der Rückgang 28 Prozent. Die weltweite Rezession führt zusätzlich zu einem Rückgang der Kundennachfrage im Einzelhandelsgeschäft von Shell, der auf die Gewinnspannen der Raffinerien drückt.

Auf keinen Fall will Shell jedoch Barmittel durch Dividendenkürzungen konservieren, zumal die Ausschüttungen schon unter denen der Konkurrenz liegen. Wie Shell zugibt, gibt es aber auch bei den Investitionen nur wenig Flexibilität. Das Unternehmen kann es sich nicht leisten, Projekte zu verschieben, die 2010 und 2012 anstehen. Einige teure Ölsand-Projekte wurden bereits hinten angestellt, mehr aber kann Shell nicht tun, ohne in Zukunft größere Probleme heraufzubeschwören.

Aber irgendwoher müssen die Mittel kommen. Die Dividenden- und Investitionszusagen bedeuten, dass Finanzchef Peter Voser, der designierte neue Mann an der Spitze des Konzern, die operativen Kosten senken und zusätzliche Schulden zulassen muss. Zumindest kann Shell sich höhere Schulden leisten. Der Fremdkapitalanteil, einschließlich der bilanzneutralen Verpflichtungen, lag zum Jahresende bei 23 Prozent und damit innerhalb der Zielspanne von durchschnittlich 20 bis 25 Prozent. Aber Voser muss aufpassen, 2009 nicht über das Ziel hinauszuschießen.

Für Voser dürfte das Liquiditäts- und Kostenmanagment in seinem ersten Jahr als Steuermann zur größten Herausforderung werden. Ehemalige Finanzvorstände erweisen sich nicht immer als gute Konzernlenker. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheint Vosers Erfahrung für Shell jedoch vorteilhaft zu sein.

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