Dollar
Das Comeback des Greenback

Der Dollar zieht an, während sich die Fließrichtung der spekulativen Gelder umkehrt und die US-Wirtschaft besser da steht als die der EU und Japans. Die US-Währung hat vielleicht das Schlimmste hinter sich, zumindest vorerst. Das Ausmaß ihrer Erholung hängt davon ab, wie gut die Genesung der amerikanischen Wirtschaft verläuft – und wie schlimm es in anderen Ländern wird.

Die US-Währung schien nur noch eine Richtung zu kennen: abwärts. Jetzt hat sie sich wieder aufgerichtet. Der Greenback markiert vielleicht gerade den energischen Startpunkt für eine Entwicklung, die sich als nervöse Erholung herausstellen könnte. Aber er hat - vorerst - das Schlimmste wahrscheinlich hinter sich.

Rhetorik und Zahlen haben dazu beigetragen, den Dollar zur Umkehr zu bewegen. Die Rhetorik kam von Ben Bernanke. Im Juni hatte der Chairman der US-Notenbank Federal Reserve klar gestellt, dass er die Ergebnisse der beliebten Dollar-Öl-Spekulation nicht begrüßt, die darin besteht, die Währung zu verkaufen und den Rohstoff zu kaufen. Zentralbanker kommentieren die Wechselkurse nur selten, aber bei dieser Gelegenheit erwies sich die Äußerung als weise.

Der Markt kam nämlich zu dem Schluss, dass Bernanke, da er unglücklich über die inflationären Auswirkungen eines Dollar im freien Fall und der in den Himmel schießenden Ölpreise ist, die Zinsen so bald wie möglich anheben wird. Bisher hat ihn die instabile Lage im Bankensektor davon abgehalten, aber die Markterwartungen auf höhere US-Zinsen dürften wahrscheinlich in Erfüllung gehen - wenn die Konjunktur sich nicht verschlechtert.

In Europa ist die Wendung zum Schlechteren schon eingetreten. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) ist auf 4,25 Prozent gestiegen. Aber eine Rezession, oder eine vergleichbare Entwicklung, dürfte wahrscheinlich eine weitere Anhebung verhindern, wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag darlegte. In Japan sieht es ähnlich aus. Nur der Dollar genießt noch die Unterstützung durch wahrscheinliche Zinserhöhungen.

Hier liegt eine paradoxe Entwicklung vor. Die schwache US-Valuta hat die krisengebeutelten USA dabei unterstützt, bis jetzt eine Rezession zu vermeiden. Während die Immobilien-, Bau- und Bankensektoren über den amerikanischen Verbrauchern zusammengebrochen sind, haben kräftig steigende Exporte es verhindert, dass das Wachstum zusammensackt und die Arbeitslosigkeit sich in die Höhe schraubt. Das US-Importvolumen ist in den vergangenen drei Quartalen gesunken, da sich Waren aus dem Ausland auf den US-Märkten durch zu hohe Preise selbst konkurrenzunfähig gemacht haben.

Der Rettungsanker eines schwachen Dollar wird von der US-Wirtschaft weiterhin gebraucht, während die Eurozone sehr gut ohne einen die Ausfuhren abtötenden Euro von 1,60 Dollar auskäme. Glücklicherweise, entschwindet der luftleere Gipfel schnell. Der Dollar zieht zwar an, aber er hat noch eine weite Wegstrecke vor sich, bis er aufhört, höchst konkurrenzfähig zu sein. Das Auf und Ab dieser Reise wird davon abhängen, wie gut die Genesung der US-Wirtschaft voranschreitet und wie schlecht es dem Rest der Welt ergeht.

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