Doppelangriff auf den Software-Giganten: EU trifft Microsoft an empfindlichen Stellen

Doppelangriff auf den Software-Giganten
EU trifft Microsoft an empfindlichen Stellen

Die EU-Regulatoren attackieren Microsofts Kernprodukte – das Office-Paket und die enge Verknüpfung zwischen dem Betriebssystem Windows und dem Internetzugangsprogramm Explorer. Dies könnte die entscheidende Schlacht im seit Jahren anhaltenden Kampf zwischen europäischen Kartellwächtern und dem US-Konzern werden.

Die EU-Wettbewerbshüter greifen Microsoft an, wo es weh tut, im profitabelsten Geschäft. Die Europäische Kommission verkündete am Montag, wettbewerbsfeindliche Praktiken beim Office-Paket und dem Internetzugangsprogramm Internet Explorer zu untersuchen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die EU mit dem Software-Riesen anlegt. Doch frühere Fälle konzentrierten sich auf Bereiche, die weniger wichtig für das Unternehmen sind, etwa Server- und Medienabspielprogramme. Die neuen Fälle bedrohen jedoch Microsofts Goldesel, nämlich Büroanwendungen. Die Gewinnspanne bei Office und Windows liegt bei über 80 Prozent.

Die EU moniert, dass Microsoft es ähnlichen oder ergänzenden Programmen anderer Anbieter erschwert, mit dem Büropaket Office zusammen verwendet zu werden. Zudem solle der Explorer nicht mehr zusammen mit Windows verkauft werden.

Die Beschwerden klingen plausibel. Mehr Computernutzer würden wohl quellfreie Programme wie das Linux-Betriebssystem nutzen, wenn sie sicher wären, dass diese mit Microsoft-Anwendungen wie Word oder Excel harmonieren. Und den Anbietern von Internetdarstellungsprogrammen würde der Wettbewerb leichter fallen, wenn der Internet Explorer nicht mit Windows gekoppelt wäre.

Selbst wenn es Microsoft irgendwie gelingt, sich dem Doppelangriff der EU zu entziehen, sollten andere US-Technologiegiganten Angst bekommen. Der frühere EU-Erfolg vor Gericht gegen die Firma von Bill Gates ermutigte die Europäer dazu, in anderen Fällen hart gegen Qualcomm, Rambus und Intel vorzugehen. In Brüssel hört man, dass all diese Unternehmen eine Einigung mit den Regulatoren anstreben.

Eine US-Technologieikone hat sich bereits bewegt, um die aggressiven EU-Wettbewerbshüter zu besänftigen: Apple. Das Unternehmen verständigte sich vergangene Woche darauf, die Preise der iTunes-Lieddateien für britische Kunden zu senken. Die einvernehmliche Lösung erscheint kurios, erstens weil Apple in vielerlei Hinsicht führend ist bei der Verknüpfung von Produkten mit seinem iTunes-Programm und den iPod-Geräten, zweitens weil die EU einräumte, keine Beweise für wettbewerbsfeindlichen Missbrauch gefunden zu haben.

Apple-Chef Steve Jobs entschied sich offenbar dafür, der EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes einen öffentlichkeitswirksamen Sieg zu schenken. EU-Kenner spekulieren, dass Kroes es nun vermeiden wird, neue – und möglicherweise schädlichere – Fälle gegen Apple zu eröffnen. Manchmal kann es klüger sein, mit Regulatoren zusammenzuarbeiten, anstatt mit ihnen zu kämpfen. Es ist noch nicht zu spät für Microsoft, diese Lektion zu lernen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%