Dow Jones
Her mit der Wachablösung!

Statt Citigroup oder GM müsste eigentlich Google in den Dow Jones aufrücken. Doch der hohe Aktienkurs der Internetfirma stellt ein Problem dar. Jetzt muss die Struktur des Dow Jones überdacht werden.
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Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) ist ohne die Titel von Citigroup und General Motors kaum vorstellbar. Aber die Finanzkatastrophe hat beide fast zu Penny-Stocks degradiert. Dass sie aus dem maßgeblichen US-Börsenbarometer entfernt werden, scheint nicht mehr lange zu dauern. Geht man nach der Geschichte, dann werden sie von Aktien abgelöst, deren Unternehmen als exemplarisch für die aktuelle Technologie und Wirtschaft gelten. Das würde genau auf Google passen - doch der hohe Kurs je Aktie der Internetfirma stellt ein Problem dar.

Als der Dow im Jahr 1896 eingeführt wurde, galt als sein erklärtes Ziel, die amerikanische Wirtschaft umfassend abzubilden und zu messen. Es ist jetzt schwer zu bestreiten, dass Citigroup und GM - die zwei Patienten in der Reha-Klinik der US-Regierung - nicht mehr länger dazu gehören. Welche Unternehmen sollten sie ersetzen?

Historisch tendierten die Änderungen im Dow - die immer die Herausgeber des "Wall Street Journals" vornahmen - dazu, neue Technologien und sich herausbildende Industriezweige widerzuspiegeln. Von dem Dutzend von Unternehmen, die anfänglich dazu gehörten, ist nur General Electric übrig geblieben. Mit der Zeit wurden Trendsetter wie Victor Talking Machine, American Can und Remington Typewriter mit aufgenommen.

Damit könnte Google fast sicher gesetzt sein. Die Firma fängt den Zeitgeist unserer Ära ein. Ihre Marktkapitalisierung über 100 Mrd. Dollar qualifiziert sie auf jeden Fall für eine Aufnahme. Google hat sogar eine ganze Satellitenwirtschaft von kleineren Firmen geschaffen, die den Internetriesen umkreisen.

Aber wenn Google einbezogen wird, gerät der gesamte Index aus den Fugen. Der Dow ist nach dem Aktienkurs gewichtet. Das heißt, dass Bewegungen beim Google-Kurs von 323 Dollar 36 Mal so viel Gewicht hätten wie Bewegungen von GE-Titeln, die bei neun Dollar notieren, auch wenn die beiden Unternehmen über eine fast identische Marktkapitalisierung verfügen.

Selbst ohne Google macht die antiquierte Gewichtung des DJIA den Index anfällig für eigentümliche und nicht repräsentative Ausschläge. Das ist allerdings kein Grund dafür, Google auszuschließen. Stattdessen sollten diejenigen, die über den Leitindex wachen, ihren Ansatz überdenken und vielleicht zu einer Gewichtung nach Marktkapitalisierung übergehen nach dem Beispiel des S&P 500-Index und der meisten anderen Börsenbarometer. Die im Dow versammelten Unternehmen haben sich mit der Zeit verändert. Dasselbe sollte mit der Art und Weise, wie der Index berechnet wird, auch geschehen.

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