Dow Jones-Index
Umbau eines Index

Der Umbau des Dow Jones-Index unterstreicht, wie sehr das Vermächtnis von Sandy Weill bei der Citigroup fehlgeschlagen ist. Der ehemalige Travelers-Chef hatte die Citigroup aufgebaut und Travelers dann wieder ausgegliedert. Jetzt ersetzen die Aktien der Versicherungsgesellschaft das Citigroup-Megabankprojekt im amerikanischen Börsenleitindex.
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Sehr reaktionsschnell war der Dow Jones Industrial Average (DJIA) eigentlich noch nie. Doch jetzt passt sich endlich auch der amerikanische Leitindex den neuen Zeiten an. Mit seinem Umbau hat der Ausschuss, der die 30 Komponenten des Marktbarometers festlegt, unterstrichen, wie sehr das Vermächtnis von Sandy Weill fehlgeschlagen ist.

Der Architekt der Travelers Co hatte die Versicherungsgesellschaft 1998 mit der Citicorp verschmolzen, um die Citigroup ins Leben zu rufen. Im Jahr 2002 wurde Travelers dann wieder ausgegliedert. Jetzt da die Citigroup nach massiven Rettungsaktionen zu einem großen Teil von der US-Regierung kontrolliert wird, ersetzen die Titel von Travelers die Aktien der gescheiterten Megabank im bekanntesten amerikanischen Börsenindex.

In seiner Wachstumsphase allerdings hatte sich das gigantische Finanzsupermarktprojekt von Weill über hohe Hürden hinweggesetzt. Man nehme nur das Glass Steagall-Gesetz, das in den USA seit den dreißiger Jahren dafür gesorgt hatte, dass die einfacheren Bankgeschäfte wie das Sammeln von Einlagen und die Kreditvergabe von der riskanteren Welt des Investment Banking geschieden blieben.

Nun, einige der aufsichtsrechtlichen Vorschriften waren sicher reif für eine Veränderung. Aber im Rückblick hat Weill nicht nur den Boden für die immer noch anhaltende Kernschmelze im Finanzwesen bereitet. Er hatte zudem ein Institut geschaffen, das in der Branche scheinbar am wenigsten dazu in der Lage war, mit seiner neu gewonnenen Freiheit verantwortungsvoll umzugehen. Obwohl auch Hank Greenbergs American International Group Anspruch auf diesen Titel erheben könnte - die Versicherung war im vergangenen Jahr aus dem DJIA entfernt und von Kraft Foods ersetzt worden.

Und schließlich wird der insolvente Autobauer General Motors (GM) im Dow Jones-Index doch noch von Cisco Systems abgelöst. Das war überfällig. Der Wechsel reflektiert, wie wichtig das Internet und die Netzwerkausrüstungen, die Cisco anbietet, für die Wirtschaft geworden sind. Der größere Suchmaschinenspezialist Google könnte ein weiterer Kandidat für die Aufnahme in den Leitindex gewesen sein - aber sein Aktienkurs von über 400 Dollar würde den Index genau so stark verzerren wie die zu Penny Stocks verkommenen Titel von GM.

Der Aufbau des Dow Jones-Index zeichnet sich zwar nicht gerade durch Wissenschaftlichkeit aus, aber der Symbolwert des Leitbarometers ist unbestritten. Cisco sollte sich vielleicht besonders merken, dass GM zwar Jahrzehnte lang wie eine Ikone zum Index gehörte, dadurch letztendlich aber nicht gerettet wurde. Vielmehr hat die Zugehörigkeit des Autobauers zu den 30 ausgewählten Titeln möglicherweise den dringenden Handlungsbedarf verschleiert, indem sie das Leugnen von Problemen und die Hybris verstärkte.

Für Weill ist es zu spät, solche Überlegungen zu berücksichtigen. Er war 2003 als Chief Executive der Citigroup zurückgetreten und legte 2006 auch das Amt des Chairman nieder. Welche Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die von ihm ausrangierte Travelers nun sein Lebenswerk im Index ersetzt.

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