Dow/Rohm
John Paulson rettet eine Wette

John Paulson und die Familie Haas werden Vorzugsaktien von Dow Chemical kaufen und so zur Finanzierung der 15 Mrd. Dollar schweren Übernahme von Rohm & Haas beitragen, aus der sich der Chemieriese zurückziehen wollte. Auf diese Weise soll der Abschluss zustande kommen, ohne dass Dow dabei untergeht.
  • 0

John Paulson ist bekannt dafür, ein Meister der Leerverkäufe zu sein. Aber sein Gespür für Kaufpositionen sollte dabei nicht unterschätzt werden. Die Hedge Fonds-Größe wird Vorzugsaktien von Dow Chemical übernehmen, um dem Chemieriesen bei der Finanzierung der 15 Mrd. Dollar umfassenden Akquisition von Rohm & Haas unter die Arme zu greifen, aus der Dow sich kürzlich noch verabschieden wollte. Das gleiche wird die Familie Haas tun. Auf diese Weise kann der Abschluss erzielt werden, ohne dass Dow dabei untergeht. Gleichzeitig rettet der Deal eine umfangreiche Wette von Paulson - zumindest vorerst.

Paulson und die Haas-Familie werden zusammen Vorzugsaktien von Dow über 2,5 Mrd. Dollar kaufen. Sie eröffnen der Chemiefirma damit genug Spielraum, um Rohm zu übernehmen, ohne unmittelbar danach auf Grund zu laufen - was nach den Behauptungen des Unternehmens eingetreten wäre, wenn es dazu gezwungen gewesen wäre, die Transaktion zu Ende zu bringen und sich dabei zur Finanzierung vor allem riskanter kurzfristiger Schuldtitel zu bedienen.

Die Übereinkunft kam zustande, als der Prozess, den Rohm gegen Dow angestrengt hatte, weil sich das Chemieunternehmen von der Akquisition zurückziehen wollte, gerade eben beginnen sollte. Hätte das Gericht gegen Rohm entschieden oder auch nur auf einen Kompromiss gedrungen, dann hätte die Wette von Paulson über 18 Mill. Aktien auf Rohm - eine große Wette, wenn man bedenkt, dass sie etwa vier Prozent des verwalteten Vermögens von Paulson per Ende Dezember umfasst - nicht sonderlich clever ausgesehen. Der Aktienkurs von Rohm war in Richtung der 50 Dollar-Marke getrudelt, bevor in den vergangenen Tagen die Hoffnung auf eine Beilegung des Disputs aufkam.

So wie es aussieht, werden die anderen Aktionäre genau die 78 Dollar je Aktie in bar erhalten, die Dow ursprünglich geboten hatte. Und es sieht so aus, als würde Paulson schließlich seine Erlöse im Grunde in Dow reinvestieren.

Mit dem Deal kann Paulson sich in der Kapitalstruktur nach oben arbeiten - auf einen Platz neben Warren Buffett. Das stattet ihn mit einem zusätzlichen Puffer aus, sollte sich das Geschäft von Dow weiter verschlechtern. Während er zwar relativ optimistisch für die Zukunftsaussichten der Firma war, steht sie dennoch vor beträchtlichen Herausforderungen. Schließlich fühlte sich Dow-Chef Andrew Liveris dazu gezwungen, den Rohm-Deal sausen zu lassen, weil die zusammengelegte Firma seiner Überzeugung nach nicht lebensfähig wäre.

Und trotz der neuen Eigenkapitalfinanzierung und anderer positiver Effekte, wie sie gerade verkündet worden sind, etwa die zusätzlichen potenziellen Synergien und die Verlängerung der Laufzeit des Großteils der Schuldenfinanzierung über 12,5 Mrd. Dollar von einem auf zwei Jahre, steht Dow noch nicht auf festem Boden. Der wirtschaftliche Einbruch hat sein Geschäft in Mitleidenschaft gezogen und dies könnte sich noch eine ganze Weile so hinziehen. Paulson hat seine Wette vorerst gerettet, aber das Spiel dauert noch an.

Kommentare zu " Dow/Rohm: John Paulson rettet eine Wette"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%