Dresdner Bank/Allianz
Zieht die Spikes an

Der Nettogewinn der Allianz ist im zweiten Quartal um 25 Prozent gefallen. Schuld daran sind zu einem großen Teil die Verluste der hundertprozentigen Tochter Dresdner Bank. Dies könnte den Wert des Instituts mindern, das der Versicherungsriese abstoßen will. Aber es könnte die Käufer auch abschrecken. Die Allianz braucht eine Lösung – und zwar schnell.

Das Dilemma der Allianz verschärft sich. Das Versicherungsgeschäft hält sich zwar ganz respektabel, aber die fortgesetzten Verluste der hundertprozentigen Tochter Dresdner Bank haben die Versicherungsgesellschaft, die in Europa zu den größten zählt, dazu gezwungen, sich von ihren Gewinnzielen zu verabschieden. Die Allianz möchte die Dresdner gern verkaufen, aber es stellt sich jetzt die Frage, wie schnell sie einen Käufer finden kann - wenn überhaupt einer in Sicht ist.

Die Dresdner, die auch die Investmentbank Dresdner Kleinwort umfasst, hat im zweiten Quartal über einen Betriebsverlust über 566 Mill. Euro berichtet, den vierten Quartalsverlust in Folge. Die Abschreibungen beliefen sich auf über 400 Mill. Euro, wobei 286 Mill. Euro auf forderungsbesicherte Wertpapiere entfielen und 212 Mill. Euro auf Schuldtitel, die von Kreditversicherern gestützt wurden. Dies hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Nettogewinn der Allianz auf 1,5 Mrd. Euro gefallen ist gegenüber 2,1 Mrd. Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Im Vergleich zu den Ergebnissen der Erzrivalin Commerzbank schneidet Dresdner damit schlecht ab. Der Nettogewinn der Commerzbank war im zweiten Quartal auf 827 Mill. Euro gegenüber 768 Mill. Euro im Vorjahr gestiegen. Die Zahlen bestätigen, wie weit die Commerzbank schon an ihrer Konkurrentin vorbeigezogen ist. Der Gegensatz ist zudem besonders schmerzhaft, weil die Commerzbank als Spitzenreiter für den Kauf der Dresdner gilt.

In einer schnellen Schlussfolgerung könnte man meinen, die Commerzbank feiere jetzt, da der Wert der Dresdner - der auf acht Mrd. bis zehn Mrd. Euro veranschlagt wird - jeden Tag geringer wird. Aber so holzschnittartig sieht die Wirklichkeit nicht aus. Zunächst einmal sind auch andere an der Bank interessiert. Die Verzweiflung der Dresdner, und die Sorge der Allianz, könnten Interessenten zu der Annahme verleiten, hier ein Schnäppchen machen zu können.

Zum zweiten könnte die Entwicklung bei der Dresdner auch den gegenteiligen Effekt haben. Von ihren Verlusten und ihrer verhexten Vergangenheit abgeschreckt, könnten potenzielle Käufer nicht nur weniger bieten, sie könnten gleich ganz ausbleiben. Wenn es ein noch schlechteres Ergebnis für die Allianz gibt, als die Dresdner mit einem demütigenden Verlust zu verkaufen, dann dies, die Bank gar nicht los zu werden.

All dies verstärkt den Druck auf die Allianz. Nach Ablauf dieses Monats könnte sich eine gewisse Erleichterung einstellen, wenn das Retail- und das Unternehmenskundengeschäft der Dresdner von der Investmentbank abgespaltet werden. Damit könnte die Allianz die Einheiten getrennt voneinander verkaufen. Aber es könnte auch schwieriger werden, Dresdner Kleinwort alleine abzustoßen. Die Allianz hat den Ruf, nicht gerade leichtfüßig zu sein. Aber um aus diesem Dilemma zu entkommen, wird die Versicherung schon ihre olympischen Spikes anschnallen müssen.

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