Drittquartalszahlen
US-Banken: Vertraut nicht darauf

Man sollte sich nicht täuschen lassen von den relativ gut erscheinenden Drittquartals-Ergebnissen vieler US-Banken. Sicherlich blieben unangenehmen Überraschungen aus, und einige der Geschäftszahlen wirkten ziemlich gut. Die Branche muss aber noch einen weiten Weg gehen, bevor sie aus dem Gröbsten heraus ist.
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Einige Ergebnisse im dritten Quartal der US-Banken sahen zwar gut aus, das ist aber üblich, wenn sie durch Buchführung, Fusionen oder Eigenhandel aufgepeppt werden. Das Ausmaß der Kreditausfälle verringerte sich, was zum Teil daran lag, dass die Banken ihre Vergaberichtlinien verschärften und weniger Geld verleihen. Angesichts der sich verschlechternden Lage bei Gewerbehypotheken sind die Banken wohl kaum aus dem Schneider.

Viele Banken hoben die verringerten Ausfallraten hervor. Das ist natürlich ermutigend für die Aktionäre. Es ist aber nicht unbedingt ein Zeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung, vielmehr haben Banken ihre Vergaberichtlinien gestrafft, sodass der Rückgang der Ausfälle zu erwarten war. Nur wenige Bankenchefs erwarten zudem, dass die Ausfallraten sich wirklich verbessern, bevor ein guter Teil des nächsten Jahres vergangen ist.

Die Banken vergeben weniger Kredite. Gewerbe- und Industriedarlehen beispielsweise gingen in diesem Jahr bisher um 16 Prozent oder 270 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück, ermittelte Morgan Stanley. Das verleiht den Bilanzen etwas mehr Stabilität, vor allem, weil die Einlagen weiter wachsen. Es beeinträchtigt aber auch die Gewinne.

Im ersten Halbjahr wurde dies durch einen Zuwachs bei Wohnkredit-Refinanzierungen etwas ausgeglichen, doch dieser Effekt lässt nun nach. Umsatz und Preise bei Häusern könnten zudem nach einer Vorhersage von Lazard Asset Management im nächsten Monat ein neues Tief erreichen, wenn der Einfluss von Erstkäufer-Krediten und anderen Regierungshilfen nachlässt.

Grob gesagt gab es im dritten Quartal weniger positive Einmaleffekte als in den Vorquartalen. Die Banken fanden dennoch Wege, ihre Ergebnisse aufzupeppen. Wells Fargo beispielsweise legte nur eine Milliarde US-Dollar zurück für Kreditausfälle, trotz hoher Kreditkosten und einer der niedrigsten Tier-1-Kernkapitalquoten aller Wettbewerber.

Wells profiterte auch davon, dass einige der mit dem Kauf von Wachovia übernommenen Kredite sich als weniger problematisch erwiesen, als man ursprünglich dachte. Ähnliches passierte bei PNC, die National City geschluckt hatten.

Einige Banken schafften es zudem, sich auf ein positives Handelsumfeld zu stützen, und das nicht nur innerhalb ihrer Investmentbanksparten. Die Firmenvermögensverwaltung von JP Morgan etwa hielt Ende September Wertpapiere im Volumen von 373 Milliarden US-Dollar, das entspricht einem Anstieg um 148 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die von Wells Fargo gehaltenen Papiere verdoppelten ihren Wert auf 186 Milliarden US-Dollar, rund ein Viertel davon entfällt auf Hypotheken nicht staatlich gestützter Institute, die eine Rendite von fast zehn Prozent brachten. Das ist ein nützlicher Schub für die Anlageerträge. Es ist aber wohl kaum das Kerngeschäft einer Bank, auf einem Anleiheportfolio zu sitzen, das beim Ausbleiben einer wirtschaftlichen Erholung schmerzhafte Verluste mit sich bringen kann.

Grundsätzlich sind alle Maßnahme gut, die dazu beitragen, die Bilanzen zu stärken. Weil aber die Sorgen im Bereich Gewerbehypotheken zunehmen und eine Reihe kleinerer Banken jetzt Kapital aufnehmen müssen, könnte dem Finanzsektor nur eine kleine Atempause vergönnt gewesen sein.

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