Dubai
Besser spät als nie

Die Holding Dubai World hat bei ihren Gläubigern um Zahlungsaufschub ersucht. Dies käme einem technischen Verzug gleich. Dubai hat zwar bewiesen, dass das Emirat als letzte Rettung immer noch den Nachbarn Abu Dhabi um Kredite anzapfen kann. Doch Dubai ist auf dem richtigen Kurs, wenn es zunächst versucht, die Schulden über 60 Mrd. Dollar umzustrukturieren.
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Dubai hat sich endlich aus freien Stücken in Behandlung begeben. Dubai World, eine der größten Holdings des Emirats, hat ihre Gläubiger schockiert, indem sie um ein Moratorium bei Schuldtiteln über 60 Mrd. Dollar ersucht hat. Betroffen ist ihr gesamtes Portfolio, das auch den Hafenbetreiber Dubai Ports World, das Investment-Vehikel Istithmar und Nakheel umfasst. Die Erschließungsgesellschaft Nakheel zeichnet für eine der Sehenswürdigkeit am Golf verantwortlich, die Kultstatus erlangt hat: eine Reihe künstlich geschaffener Palmeninseln. Wird die Bitte des Emirats erfüllt, käme dies einem technischen Verzug gleich.

Auch wenn die Schwierigkeiten Dubais weithin bekannt waren, hatten die Investoren dennoch mit einer pünktlichen Rückzahlung von Anleihen gerechnet. "Haltet den Mund", hatte der Herrscher des Emirats, Scheich Mohammed bin Rashid Al-Maktoum, kürzlich gar denjenigen befohlen, die an der Fähigkeit des Emirats gezweifelt hatten, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Es ist daher kaum verwunderlich, dass das Gesuch von Dubai World für ein Stillhalteabkommen bis Mai 2010 dazu geführt hat, dass der Kurs für fünfjährige Kreditausfallderivate (CDS) von Dubai um 100 auf 420 Basispunkte nach oben schnellte. Dies entspricht allerdings immer noch weniger als der Hälfte des Hochs, das die CDS von Dubai im Februar erreicht hatten, als das Anlegervertrauen in das Emirat einen historischen Tiefpunkt erreicht hatte.

Tatsächlich war Dubai so clever, zu beweisen, dass das Emirat immer noch in der Lage ist, Geld zu beschaffen. Gleichzeitig mit der Bitte an die Gläubiger, ihm mehr Zeit einzuräumen, verkündete Dubai, eine weitere Tranche über fünf Mrd. Dollar ihrer 20 Mrd. Dollar schweren Nothilfeanleihe bei zwei staatlichen Banken in Abu Dhabi aufgenommen zu haben. Vor zwei Wochen hatte das Emirat zudem so genannte Sukuks, also Anleihen nach islamischem Recht, über zwei Mrd. Dollar bei Privatinvestoren platziert, auch wenn diese Erlöse nicht für leistungsgestörte Organisationen vorgesehen sind.

Warum aber springt Dubai nicht mit eigenen Geld rettend zur Seite, um Dubai World bei der Lösung ihres drängendsten Problems zu unterstützen, nämlich bei einem Sukuk von Nakheel über 3,5 Mrd. Dollar, der Mitte Dezember fällig wird? Ein Grund könnte darin bestehen, dass Dubai World in den kommenden sechs Monaten fällig werden Papieren über zusätzlich mindestens 2,2 Mrd. Dollar gegenübersteht, denen weitere folgen werden. Aidan Birkett von Deloitte, der die Umschuldungsbemühungen leiten wird, wird einer der ersten Außenstehenden sein, der das wahre Ausmaß des Problems, das sich im Kern verbirgt, zu sehen bekommen wird.

Den Gläubigern wird es wahrscheinlich nicht genehm sein, Zugeständnisse einräumen zu müssen. Aber jeder, der ein langfristiges Interesse an Dubai hegt, sollte erfreut sein, dass das Emirat in den sauren Apfel beißt. In der vergangenen Woche mussten einige der maßgeblichen Architekten des modernen Dubai ihre Positionen räumen. Jetzt scheint das mit Schulden überladene Emirat endlich zu der Erkenntnis gelangt zu sein, dass es ohne ernsthafte finanzielle Umstrukturierungen seine Schulden nicht vollständig zurückzahlen kann. Wer zugibt, ein Problem zu haben, hat den ersten Schritt zu einer erfolgreichen Behandlung gemacht.

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