Dubai und die Folgen
Die Gratwanderung der globalen Schuldenmacher

Für so manches Land dürften die Kapitalmarktzinsen für deren Schulden nun steigen. Das kommt zur Unzeit, denn die Krise ist noch nicht wirklich verarbeitet, die notwendigen Konsequenzen in Finanzmarktaufsicht und -regulierung noch nicht gezogen.
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Wer wird die heutigen Staatsschulden morgen und übermorgen tilgen? Und wie viel Solidarität zeigen die stärkeren Länder gegenüber den schwächeren Nachbarn? Diese Fragen schweben seit mehr als einem Jahr über den Finanzmärkten. Weltweit wurde die kollektive Entscheidung getroffen, der Konjunkturkrise durch eine enorme Ausweitung der staatlichen Verschuldung entgegenzutreten. Eine neue, beunruhigende Entwicklung hat nun aber das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Regierungen massiv beeinträchtigt.

Die Erschütterung stammt nicht aus dem Westen, wo die Defizite der öffentlichen Hand am weitesten ausgedehnt wurden, sondern aus dem steinreichen Nahen Osten. Staatsfonds aus dieser Region haben in vielen Fällen als Geldquellen für Not leidende Regierungen und Unternehmen der alten Industrienationen fungiert. Nun liefern diese exotischen Länder ein staatliches Kreditmarktopfer des Krisenzeitalters.

Das angekündigte Moratorium der überschuldeten staatlichen Investmentgruppe Dubai World und deren Immobilientochter Nakheel schlägt hohe Wellen. Das Rätseln über die Gründe für diesen Schritt geht weiter. Manche werfen der Regierung in Dubai mangelnde Fachkompetenz vor. Offenbar wurden die Empfindlichkeiten der Märkte monumental unterschätzt. Andere interpretieren die Maßnahme als Zeichen eines Machtkampfes innerhalb der Emirate zwischen dem von innovativer Finanzakrobatik gekennzeichneten Scheichtum Dubai und dem weit wohlhabenderen, erzkonservativen Schwesterstaat Abu Dhabi.

Wie dem auch sei - der Zahlungsaufschub für Dubai führt erneut vor Augen, dass wir uns auf einer Gratwanderung befinden. International versetzt das starke Anwachsen des Schuldenbergs die Politiker und Notenbanken aus zwei Gründen in einen Wettlauf gegen die Zeit. Zum einen werden die Anleger künftig bei vielen Schuldtiteln sowohl aus den industrialisierten als auch aus den Schwellenökonomien eindeutig höherer Zinsen verlangen - aus Angst vor Inflation oder weil sie das Risiko einer angeschlagenen Zahlungsfähigkeit vermuten. Wenn ein Kapitalmarktzinsanstieg aber zu einem Zeitpunkt eintritt, an dem die Konjunkturerholung immer noch nicht sichergestellt ist, dann ist ein wirtschaftspolitischer Teufelskreis vorprogrammiert.

Zum zweiten müssen die Notenbanker und Finanzmarktregulatoren ihre notwendigen Hausaufgaben schneller erledigen. Denn wenn - etwa durch das Platzen neuer Asset-Blasen - eine zweite Bankenkrise ausbricht, bevor die nötigen Reformprozesse für Kapitalmarktaufsicht und-regulierung abgeschlossen sind, wiederholt sich das Krisenphänomen von 2007/08. Wahrscheinlich mit noch schlimmeren Folgen.

Einige Konsequenzen dieses Wettlaufes gegen die Zeit zeichnen sich bereits in Deutschland ab. Angesichts der ausufernden bundesrepublikanischen Verschuldung sind Bundesregierung wie Bundesbank immer weiter davon entfernt, durch ein "gemeinsames Anleihenverfahren" Solidarität mit den anderen Mitgliedern der Währungsunion zu zeigen. Statt dessen wird sich wahrscheinlich unter den EU-Staaten eine unerbittliche Konkurrenz um die besten Kreditmarktkonditionen bemerkbar machen. Deutschland will seine Finanzmarktbonität offenbar nicht mit Defizitländern wie Griechenland, Irland oder Spanien teilen. In den Golf-Emiraten ist eher zu erwarten, dass über kurz oder lang die Schulden von Dubai doch von der konservativen Schwester Abu Dhabi übernommen werden. Denn die Emirate sind eine politische Union, der Herrscher von Dubai, Sheikh Mohammed, ist gleichzeitig Premierminister der Emirate. In Europa dagegen haben wir es immer noch mit einer unterschiedlichen Souveränität im monetären und politischen Bereich zu tun. Und es wird wohl eine Weile dauern, bis sich daran etwas ändert.

Kommentare zu " Dubai und die Folgen: Die Gratwanderung der globalen Schuldenmacher"

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  • Vermehret Euch,

    ich meine die Familien sollen unbedingt wachsen.
    Schwester, bruder, Onkel, Tante, vermehrt Euch so könnt ihr noch mehr:
    " konservativen Schwester Abu Dhabi übernommen werden“
    Letzter Strohhalm um noch einen Hoffnungsschimmer der Rückzahlung der Schulden:

    "Heiliger Geist"

    könnte die Schulden endlich tilgen und wir sind damit aus der Schuldenfalle!

    Mfg

  • Was ist in diesem beitrag neu?...Nichts...man koennte das mit einem Loeffel vergleichen der den Kaffe in der Tasse umruehrt.

    Viel Polemik...doch keine Substanz.

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