Dubai World
Geldgeber müssen sich auf Abschreibungen einstellen

Harte Fakten sind zwar Mangelware, dennoch ist anzunehmen, dass auf Dubai World drei Viertel der Verbindlichkeiten des Emirats entfallen. Ende 2008 hatte die staatseigene Holding Schuldtitel über 59 Mrd. Dollar und ein Eigenkapital über 40 Mrd. Dollar verbucht. Selbst nachdem die Immobilienpreise zwischenzeitlich eingebrochen sind, ist kaum vorstellbar, dass sich die Einbußen auf mehr als zehn Mrd. bis 20 Mrd. Dollar belaufen.
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Dubais Geldgeber müssen sich möglicherweise auf Abschreibungen einstellen. Doch die wenigen verfügbaren Zahlen deuten drauf hin, dass die Einbußen nicht immens sein werden.

Auf Dubai World entfallen drei Viertel der Gesamtverbindlichkeiten des Emirats über 80 Mrd. Dollar, wie offiziellen Angaben aus dem vergangenen Jahr zu entnehmen ist. Die maßgebliche Holding des Emirats, die sich zu hundert Prozent in Staatsbesitz befindet, legt ihre Bilanz nicht öffentlich vor. Allerdings geht aus einer Eingabe von Nakheel, der Immobilientochter von Dubai World, hervor, dass die Muttergesellschaft Ende 2008 Verbindlichkeiten über 59,3 Mrd. Dollar und Vermögenswerte über 99,6 Mrd. Dollar verbucht hatte - und damit einen Nettosubstanzwert von 40,3 Mrd. Dollar.

Der Wert des Eigenkapitals wird seitdem schweren Schlägen ausgesetzt gewesen sein. Dubai World ist stark von der Entwicklung der Immobilienpreise im Emirat abhängig. Nach Schätzungen der Immobilienmarktbeobachter von Colliers International dürften sich die Preise dort in diesem Jahr um 48 Prozent abgeschwächt haben. Und Dubai World könnte schlechter abgeschnitten haben als der Durchschnitt, denn die Holding hat einige der verrücktesten Projekte des Emirats unterstützt. Reduzieren wir den Wert der Vermögenswerte aus dem Jahr 2008 um 50 Prozent, dann errechnet sich für Dubai World ein negatives Eigenkapital von fast zehn Mrd. Dollar.

Allerdings könnte das Minus etwas näher bei Null liegen. Nicht alle zehn Unternehmen, die zu Dubai World gehören, werden so stark gelitten haben. Der Hafenbetreiber DP World, an dem die Holding mit 77 Prozent beteiligt ist, der aber von der Umschuldung ausgeschlossen ist, entwickelt sich gut. Das Investmentvehikel Istithmar könnte für seine Anteile an Unternehmen wie der kanadischen Unterhaltungsgruppe Cirque du Soleil, der Standard Chartered Bank und dem Investmenthaus Perella Weinberg zu viel gezahlt haben, aber sein Portfolio hat möglicherweise die Entwicklung des Immobilienmarkts in Dubai übertroffen.

Vielleicht lauern bei Dubai World weitere bisher noch nicht offen gelegte Verbindlichkeiten. Insgesamt wäre also eine Lücke von zehn Mrd. bis 20 Mrd. Dollar denkbar. Doch die Kapitalgeber werden letztendlich vielleicht nur einen Teil dessen abschreiben müssen, wenn sie sich bereit erklären, Fälligkeiten zu verlängern und es der Holding gestatten, einige Vermögenswerte abzustoßen. Alles in allem erscheint der potenzielle Verlust von Dubai World zu geringfügig, um nennenswerte globale Auswirkungen nach sich zu ziehen.

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