Dubai World
Gläubiger mit schwachen Händen

Die Restrukturierung bei der wichtigsten Dachgesellschaft des Emirats, Dubai World, ist die größte, die der Golf je erlebt hat. Die wenigen vorangegangenen Ereignisse ähnlicher Art in Kuwait und Saudi-Arabien werden Geldgebern wenig Trost spenden, denn Gläubiger hatten mit widrigen Gesetzen zu kämpfen und zudem Schwierigkeiten, Ansprüche auf Kreditsicherheiten durchzusetzen.
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Die Gläubiger von Dubai World sind in einer schwachen Position. Die Restrukturierung von 60 Milliarden US-Dollar Schulden bei der wichtigsten Dachgesellschaft des Emirats, die auch das Anlagevehikel Istithmar und den Immobilienentwickler Nakheel umfasst, wird die größte und härteste Restrukturierung aller Zeiten in der Golfregion. Die wenigen Ereignisse ähnlicher Art aus früherer Zeit sind nicht ermutigend für jene, die Dubais grandiose Visionen finanzierten.

Geschockte Gläubiger haben eine pünktliche Rückzahlung erwartet. Nun versuchen sie sich zu einem Lenkungsausschuss zusammenzuraufen, der mit dem neuen Restrukturierungschef von Dubai World, dem Deloitte-Partner Aidan Birkett, Verbindung aufnehmen soll. Tatsächlich können die Geldgeber die Bitte um einen sechsmonatigen Zahlungsaufschub bis Mai 2010 kaum abschlagen. Ihnen bleibt wenig anderes übrig, als auf einen Plan von Dubai World zu warten, der eine Lösung für den Umgang mit den ausufernden Schulden formuliert.

Selbst wenn Kredite besichert und die zugrunde liegenden Verträge umfangreich sind, gelten die Gesetze in der Region als wenig gläubigerfreundlich. Es ist fast unmöglich, auf Kreditsicherheiten zuzugreifen. So haben Gerichte Ansprüche von Gläubigern der kuwaitischen Finanzfirmen Global Investment und Investment Dar durchgängig zurückgewiesen. Beide Gesellschaften konnten Anfang des Jahres ihren Zahlungsverpflichtungen in Höhe von zusammen 5,5 Milliarden US-Dollar nicht mehr nachkommen. Im Königreich Saudi-Arabien gaben Behörden den Ansprüchen lokaler Gläubiger Vorrang vor jenen ausländischer Banken, die Schätzungen zufolge den führenden Händlerfamilien der Saads und der Algosaibis 16 Milliarden US-Dollar geliehen haben.

Bislang waren Restrukturierungen in der Golfregion noch relativ einfach. Die kuwaitischen Gesellschaften Global Investment und Investment Dar wollen ihre Gläubiger einfach durch eine Verlängerung der Fälligkeiten um bis zu fünf Jahre auszahlen. Dubai World verfügt über einige gute Vermögenswerte, aber der starke Fall der Immobilienpreise bedeutet wahrscheinlich, dass eine tiefgreifendere Restrukturierung nötig wird. Im Westen gilt der Tausch von Schulden gegen Aktien als übliche Lösung, dafür aber gibt es am Golf kein Beispiel. Die Dubai-World-Mischung aus islamischen Instrumenten und Staatseignerschaft könnte weitere Komplikationen nach sich ziehen.

Die Liste der Gläubiger von Dubai World wurde nicht veröffentlicht, doch einige der größten Banken im Westen und am Golf dürften darauf stehen. Das rohstoffarme Dubai hängt zu sehr von den internationalen Märkten ab, um fremde Gläubiger ähnlich schlecht behandeln zu können, wie es die Saudis taten. Das ist allerdings nur ein schmaler Trost.

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