Düngemittelbranche
Es ist nicht alles Mist

Im nordamerikanischen Düngemittelsektor tobt ein Bieterwettstreit. CF Industries hatte eine unerwünschte Übernahmeofferte für den Konkurrenten Terra vorgelegt, bevor sich einen Monat später die kanadische Agrium wiederum CF Industries in feindlicher Absicht näherte. Die Gebote über insgesamt neun Mrd. Dollar haben den Banken, Rechtsanwaltskanzleien und PR-Firmen der Wall Street über schwere Zeiten hinweggeholfen.
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Im nordamerikanischen Düngemittelsektor tobt ein Bieterwettstreit. CF Industries, Terra und die kanadische Agrium liefern sich seit Monaten ein heftiges Handgemenge. Die scheinbar unendliche Geschichte dreht sich um zwei feindliche Übernahmen im Wert von insgesamt neun Mrd. Dollar und hat den Banken, Rechtsanwaltskanzleien und PR-Firmen der Wall Street - und der Bay Street in Toronto - über magere Zeiten hinweggeholfen. Während sich nun doch ein Ende der Saga abzeichnet, droht ihnen eine Gebührenlücke.

Das Gerangel hatte im Januar seinen Lauf genommen, als die im US-Bundesstaat Illinois ansässige CF Industries eine unerwünschte Tauschofferte für den Konkurrenten Terra vorgelegt hatte. Einen Monat später wurde CF selbst zum Ziel einer feindlichen Annäherung durch die kanadische Agrium.

Seitdem wird in allen Richtungen geboten, zurückgewiesen und erneut geboten. Die jüngste Offerte von Agrium, die aus einer Aktien- und einer Barkomponente besteht und CF mit 4,9 Mrd. Dollar bewertet, wurde als "bestes und endgültiges" Gebot deklariert. Rund 62 Prozent der CF-Aktien wurden angedient, obwohl das CF-Management immer noch darauf beharrt, das Ansinnen sei "weit davon entfernt, verlockend zu sein".

Die von CF ins Visier genommene Terra wird am Freitag ihre Jahreshauptversammlung abhalten. Die Aktionäre von Terra sollen über drei von CF vorgeschlagene Board-Mitglieder abstimmen und erhalten damit die Gelegenheit zu signalisieren, was sie von dem Gebot von CF für ihre Firma halten, das nun größtenteils in bar erfolgen soll und vier Mrd. Dollar umfasst.

Ob die Berater ihre Dienste nun stundenweise oder als prozentualen Anteil am Deal-Volumen abrechnen, willkommen sind die Gebühren aus der Düngemittelschlacht allemal - besonders in den harten Zeiten auf dem M&A-Markt. Bisher ist der Wert der weltweiten Transaktionen in diesem Jahr um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr gefallen, berichtet Thomson Reuters.

Goldman Sachs, Credit Suisse, Morgan Stanley und Rothschild sind allesamt an dem Ringen beteiligt. Auch die Kanadier wurden nicht vergessen - Agrium hat die RBC, Scotia Capital und die Kanzlei Blake, Cassels & Graydon engagiert. Desweiteren profitieren die PR-Firmen Sard Verbinnen, Joele Frank, Wilkinson Brimmer Katcher und Brunswick Group von den geplanten Deals. Und auch die Großen unter den Rechtsanwaltskanzleien sind vertreten - Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom; Paul, Weiss, Rifkind, Wharton & Garrison; Wachtell, Lipton, Rosen & Katz und Cravath, Swaine & Moore sind ebenfalls mit an Bord.

Jetzt bahnt sich eine Auflösung dieser Ménage à trois an, und den hohen dreistelligen Stundensätzen der Rechtsanwälte und den Honoraren der PR-Berater, die nicht weit darunter liegen, wird ein Ende gesetzt, die abschließenden Zahlungen an die Banker werden fließen. Nehmen wir einmal an, einer der beiden Abschlüsse kann über die Bühne gebracht werden, dann könnten sich die Banken allein, basierend auf den durchschnittlichen Erfolgsgebühren, mindestens 20 Mill. Dollar teilen. Vielleicht ist es an der Zeit, sich einer süßeren Saga zuzuwenden? Möchte jemand Schokolade?

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