EADS
Gründliches Aufräumen gefragt

Die politische Kaste Frankreichs brauchte nicht lange bis sie den vermeintlichen Insiderskandal bei EADS zu ihrem Lieblingssport machte.

Der Schuldvorwurf macht die Runde. Parlamentarische Gremien ermitteln, Beamte werden vorgeladen, Minister und Abgeordnete rufen brav nach Sanktionen und Nicholas Sarkozy höchstselbst fordert energisch gründliche Untersuchungen - in der Hoffnung, seinen Vorgänger Jacques Chirac wieder einmal in Verlegenheit zu bringen. Die Aufmerksamkeit gilt den Fragen: Was wusste der Staat von den Airbus-Problemen? Seit wann? Und gab er seinem Investmentarm, der Caisse des Depots, tatsächlich grünes Licht, einen Teil der Aktien zu übernehmen, die die Mediengruppe Lagardère in der ersten Hälfte 2006 abstieß?

Das ganze Manöver dient vorrangig der Ablenkung. Alles in allem gehört Caisse des Depots zu den Verlierern. Der eigentliche Skandal hält an - und drei Hauptthemen müssen erst noch angesprochen werden, sobald die Justiz ihre Sondierungen abgeschlossen hat.

Erstens muss geklärt werden, ob die Mehrheit der EADS-Topmanager wirklich Aktien verkauft hat, nachdem sie von den Problemen erfuhr, wie der Vorwurf der französischen Aufsichtsbehörde AMF lautet. In diesem Fall ist gründliches Aufräumen unter den Managern angebracht. Wenn sich Louis Gallois, der derzeitige EADS-Chef, von einigen Führungskräften in Schlüsselpositionen trennen muss, steht er vor einer schwierigen Aufgabe.

Zweitens, einer der Großaktionäre von EADS, der Lagardère-Konzern, war entweder inkompetent oder unehrlich - wie der eigene Vorstandsvorsitzende Arnaud Lagardère im vergangenen Jahr medienwirksam zugab. Die französische Regierung sollte sich mit der Suche nach neuen, seriösen Aktionären aus der Industrie für EADS nicht allzu lange Zeit lassen.

Drittens, der EADS Führungsstil braucht eine gründliche Überholung. Der Staat und Lagardère haben ein sonderbares Führungsabkommen geschlossen, das verhindert, dass der Staat sich in die Angelegenheiten von EADS einmischt. Theoretisch heißt das, Lagardère managed den französischen EADS-Anteil. Aber in der Realität hat sich die französische Regierung nie zurückgehalten, das Unternehmen unter Druck zu setzen - die Airbus-Probleme entstanden, als EADS auf ein Topmanagement-Riff lief, das Chirac formte, als er mit Nachdruck dafür sorgte, dass Noel Forgeard zum Co-Vorsitzenden bei EADS wurde. EADS muss allmählich zu einem normalen Unternehmen werden.

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