EADS
Kein Pardon für Regelbrecher

Die französische Börsenaufsicht sieht ihren Insiderhandel-Verdacht bei EADS bestätigt. Der französisch-deutsche Airbus-Hersteller wird beschuldigt, die Märkte im Jahr 2006 über Probleme mit seinen Flugzeugen getäuscht zu haben. EADS sollte sich nicht an die Seite der Führungskräfte stellen, die Regeln gebrochen haben. Besser sollte man sie entlassen.

Die französische Börsenaufsicht sieht ihren Insiderhandel-Verdacht bei EADS bestätigt. Der französisch-deutsche Airbus-Hersteller wird beschuldigt, die Märkte im Jahr 2006 über Probleme mit seinen Flugzeugen getäuscht zu haben. EADS sollte sich nicht an die Seite der Führungskräfte stellen, die Regeln gebrochen haben. Besser sollte man sie entlassen.

EADS: Louis Gallois hält zu seinen Leuten. Der Vorstandsvorsitzende von EADS hat entschieden, das ganze Gewicht der Firma in die Verteidigung der rund 20 Führungskräfte zu legen, die von der französischen Börsenaufsicht "Autorité des marchés financiers" (AMF) des Insiderhandels für schuldig gehalten werden. Doch Gallois schlägt den falschen Weg ein. Er sollte einer Tugend folgen, die nobler ist als Loyalität: Integrität.

Der AMF zufolge haben Führungskräfte, darunter der frühere Airbus-Vorstandsvorsitzende Noel Forgeard, in dem Wissen Aktien verkauft, dass die Fertigungsprobleme beim A380-Projekt Kursrückgänge auslösen könnten. Verdächtige Verkäufe traten zwischen dem Jahresende 2005 und April 2006 auf. Das ist der Zeitpunkt, an dem die Aktien in den Sinkflug übergingen. Im Juni 2006 machte EADS den Schlamassel beim A380 öffentlich. Seitdem hat das Unternehmen, das in dem Verfahren ebenfalls beschuldigt wird, mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt.

Der selber nicht beschuldigte und als Gegner von Aktienoptionen bekannte Gallois betont das Recht der Führungskräfte, sich zu verteidigen. Das ist gerecht. Doch er geht noch weiter, indem er es EADS erlaubt, seine Angestellten zu verteidigen.

Das Unternehmen setzt die AMF plump unter Druck, indem den Ermittlern der Börsenaufsicht unterstellt wird, sie verstünden nichts vom Flugzeugbaugeschäft, in dem permanent Krisenszenarios erwogen würden. Rechtsanwälte werden ihren großen Tag bekommen, wenn sie zu erklären versuchen, wann genau „Szenarien“ sich in reale Informationen verwandeln. Andere Anwälte könnten ihre Verwunderung darüber ausdrücken, wie einfach „Szenarien“ Vorstände dazu bringen können, Aktien zu verkaufen.

Gallois sollte sich nicht auf die Juristensprache konzentrieren, sondern auf das Ansehen seines Unternehmens. Die AMF wird Strafen verhängen für überführte Manager, und auch die Gerichte könnten in der Sache noch ein Wort mitzureden haben. Doch der EADS-Chef sollte noch weiter gehen. Einige Handlungen mögen technisch gesehen legal sein, sie sind aber moralisch nicht angemessen und sollten nicht toleriert werden. So einfach ist das. Es wäre klüger, wenn Gallois dieses Prinzip nun etabliert, indem er sich von jenen trennt, die die Regeln gebrochen haben. Für die EADS-Führungskräfte sollte künftig das Gleiche gelten wie für Julius Caesars Frauen, die nicht nur tugendhaft, sondern über jeden Zweifel erhaben sein mussten.

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