Ebay/Craigslist
Sieg des Kapitalismus?

Das Bekenntnis von Craigslist zu einem nicht kommerziellen Geschäftsmodell hat alle beeinträchtigt, die mit Inseraten zu tun haben – von den Zeitungen bis hin zu den Anbietern von Kontaktanzeigen. Ein von Ebay angestrengtes Gerichtsverfahren könnte jetzt jedoch aufdecken, dass die Firma sehr wohl von einer kapitalistischen Mentalität durchdrungen ist. Wenn sich das bewahrheitet, könnten die Konkurrenten aufatmen.

Falls Google plötzlich dem Geldverdienen abschwören würde, würde die gesamte Online-Werbe-Branche ins Wanken geraten. Das ist ungefähr das, was Craigslist bei den Kleinanzeigen angerichtet hat. Die Website – deren Chef einst vehement behauptete, dass es „niemals ein Ziel war“, damit einen Gewinn zu erzielen – lässt sich nur für einen ganz kleinen Teil ihrer Dienste bezahlen und hat damit die Wirtschaftlichkeit dieses Geschäfts für viele andere Anbieter abgewürgt.

Jetzt wirft eine Klage Fragen darüber auf, ob die Gründer von Craigslist wirklich so unerschütterlich dem maoistischen Lager zuzurechnen sind. Das Gerichtsverfahren könnte sich für die Konkurrenten als hilfreich erweisen. Das Online-Auktionshaus Ebay hatte 2004 einen Anteil von 28,4 Prozent an Craigslist von einem ehemaligen Mitarbeiter übernommen. In dieser Woche verklagte eBay das Unternehmen, weil es diesen Anteil um zehn Prozent verwässert haben soll.

Die Website, die nach ihrem Gründer Craig Newmark benannt ist, bietet jeden Monat über 30 Millionen neuen Anzeigen Platz und ist damit der weltweit führende Anbieter von Kleinanzeigen. Pro Monat werden etwa neun Milliarden Seitenaufrufe registriert, das sind etwa halb so viele wie bei YouTube von Google. Allerdings erhebt die Site nur in elf US-Städten für Stellenanzeigen und für Wohnungsinserate nur in einer Stadt Gebühren.

Deshalb dürften die zu erwartenden Einnahmen 2008 nur bei etwa 80 Mill. Dollar liegen, schätzt die Research-Firma Classified Intelligence. Aber das spielt das Ausmaß herunter, in dem Craigslist Werte im Mediengeschäft zerstört hat. Indem das Unternehmen nur für wenige ihrer Dienstleistungen Geld verlangt und dabei eine enorm große Kundschaft anlockt, hat es einen einst hoch profitablen Bereich der Zeitungsindustrie dezimiert. Ähnlich erging es Anbietern von Kontaktanzeigen und Immobilieninseraten.

Warum also hat sich Craigslist dazu entschlossen, überhaupt Aktien herauszugeben? Das Unternehmen wollte dazu keine Stellung beziehen. Aber die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass die Firma ihren Mitarbeitern Optionen angeboten hat. Das ließe darauf schließen, dass Craigslist kapitalistischer wird. Für Konkurrenten, die Schwierigkeiten damit hatten, die Strategie von Craigslist, die meisten ihrer Dienste kostenlos anzubieten, zu bekämpfen, wäre jedes Zeichen, dass die Firma sich der Maxime der Gewinnerzielung angenähert hat, ein Grund zum Feiern.

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