Ebay
Lasst Paypal von der Leine

Bei Ebay wird künftig Paypal für Wachstum sorgen. Dies wurde anlässlich des Analystentreffens des Internetauktionshauses klar. Während die Umsätze im Kernsegment der Internethandelsplattform stagnieren dürften, könnten sich die Einnahmen von Paypal in den kommenden drei Jahren verdoppeln. Von einer Ausgliederung würden die Aktionäre am meisten profitieren.
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Es ist schwer, mit Ebay etwas anderes als ein Internetauktionshaus zu assoziieren. Schließlich hat das Unternehmen den Online-Markt praktisch erfunden. Aber auf dem Analystentag von Ebay wurde klar, dass die Firma in Zukunft als Anbieter von Zahlungssystemen und nicht als Einzelhändler wachsen wird. Während das Kerngeschäft der Online-Versteigerungen praktisch brach liegt, fungiert der Bereich Paypal zur Abwicklung von Zahlungsvorgängen als Wachstumsmotor. Damit die Aktionäre allerdings in den Genuss aller Vorteile kommen, muss Ebay den Bereich ausgliedern.

Auf dem ersten Analystentag der Firma seit drei Jahren, traten die Kontraste, die Ebay zwischen dem Kerngeschäft Auktionen und Paypal zeichnete, so klar zu Tage wie zwischen schwarz und weiß. Das Unternehmen geht davon aus, dass das Segment der Handelsplattform, das im vergangenen Jahr bei den Umsätzen nur um ein Prozent zulegte, in diesem Jahr noch langsamer als der Gesamtmarkt für den Online-Handel wachsen wird. Erst 2011 könnte der Bereich schließlich die Wachstumsraten der Branche wieder übertreffen. Auf der anderen Seite kletterten die Einnahmen von Paypal im vergangenen Jahr um 26 Prozent. Sie könnten sich in den kommenden drei Jahren auf fünf Mrd. Dollar verdoppeln, bei Margen von zwanzig Prozent.

Mit der Zeit würde Paypal damit zum wertvollsten Geschäftsbereich der Firma aufsteigen. Tatsächlich wird der konkurrierende Anbieter von Zahlungssystemen, Visa, zum Vierzehnfachen der für 2011 geschätzten Ergebnisse gehandelt. Auf dieser Basis wäre Paypal 14 Mrd. Dollar wert - das wären zwei Mrd. Dollar mehr als der heutige Gesamtwert des Unternehmens. Zudem wächst Paypal schneller als Visa, weshalb der Bereich es vermutlich verdient hätte, mit einem höheren Ergebnisvielfachen gehandelt zu werden.

Ganz offensichtlich bewerten die Investoren Paypal mit einem beträchtlichen Abschlag. Vielleicht sehen sie in Ebay einen Mischkonzern. Oder sie gehen davon aus, dass das Wachstum von Paypal als Ebay-Tochter eingeschränkt wird. Für Internet-Schwergewichte wie Google und Amazon ist Paypal als Zahlungssystem schließlich nicht sonderlich erstrebenswert, da sie das Auktionsgeschäft von Ebay als Konkurrenz empfinden.

Um den Abschlag los zu werden, muss Ebay Paypal von der Leine lassen. Das Unternehmen könnte einfach aufgesplittet werden, wobei die Aktionäre Titel an beiden Teilen erhalten könnten. Oder die Firma könnte eine Erstemission von Paypal in die Wege leiten, in Anlehnung an den Deal, den der Speichergigant EMC mit seiner Software-Tochter VMWare durchgezogen hat. Durch den Verkauf von neu emittierten Aktien könnte Paypal sogar ein wenig Geld für Akquisitionen einsammeln, obwohl mit einer Aktie, die so richtig abhebt, derselbe Effekt erzielt werden könnte.

Ebay argumentiert, dass Paypal Einbußen im Geschäft mit Ebay erleiden könnte, wenn die Verbindung gekappt würde. Aber mit einem Anteil von weniger als zehn Prozent am US-Markt für Online-Zahlungen besteht jede Menge Spielraum, die Segel zu straffen.

Darüber hinaus könnte eine Ausgliederung von Paypal den Ebay-Managern mehr Zeit verschaffen, sich darauf zu konzentrieren, das Wachstum im Kerngeschäft wieder anzuheizen. Und wer weiß, wenn über Paypal freundlichere Verbindungen zu Amazon aufgebaut werden könnten, so könnte dort vielleicht sogar noch eine Fusion winken. Die Verantwortlichen bei Ebay sollten sich schleunigst an eine Ausgliederung von Paypal machen, bevor die Investoren sie ihnen aufzwingen.

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