Ebay
Schluss mit dem Skype-Abenteuer

John Donahoe sitzt erst seit neun Monaten bei Ebay auf dem Chefsessel. Trotzdem sollte er sich nicht von dem Vermächtnis seiner Vorgängerin Meg Whitman davon abhalten lassen, das Richtige für die Aktionäre zu tun, wenn es um Skype geht. Die Telefonie-Firma könnte jetzt mehr wert sein als ihre Haltekosten. Ein Verkauf sollte nicht ausgeschlossen werden.

Der Chef von Ebay, John Donahoe, muss seine Visitenkarte bei den Aktionären abgeben. Zwar ist er bei dem Aktionshaus erst seit neun Monaten am Steuer, aber die Firma sieht immer noch aus, wie von seiner Vorgängerin Meg Whitman ersonnen und gestaltet. Deshalb sollte er darüber nachdenken, den Wert von Skype zu maximieren. Der Bereich für die Internet-Telefonie scheint jetzt mehr wert zu sein als seine Haltekosten. Donahue sollte einen Verkauf nicht ausschließen.

Es ist kein Geheimnis, dass Whitman zu viel gezahlt hat, als sie 2005 rund 3,1 Mrd. Dollar für Skype hingeblättert hat. Schließlich hat Ebay im vergangenen Jahr den Wert der Tochter um fast die Hälfte abgeschrieben. Die Online-Tauschbörse war davon ausgegangen, bei dem Dienst Synergien wie bei Paypal erzielen zu können. Diese haben sich allerdings nie eingestellt.

Doch das Wachstum von Skype wurde dadurch nicht beeinträchtigt. Das Unternehmen meldet über 300 Millionen registrierte Nutzer, im jüngsten Berichtszeitraum betrug der annualisierte Zuwachs der Nutzer im Quartal über 50 Prozent. Und anders als bei vielen aufstrebenden Technologie-Unternehmen liegen die Betriebsgewinnspannen von Skype bei soliden 20 Prozent.

Dies sollte dazu beitragen, dass der Dienst in diesem Jahr einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 133 Mill. Dollar erzielen kann. Und wenn man ein Ebitda-Vielfaches von 15 zugrunde legt, oder ein Drittel unter dem, was der Markt dem ähnlich schnell wachsenden Software-Unternehmen VMWare zugesteht, dann ist Skype jetzt rund zwei Mrd. Dollar wert - das sind 300 Mill. Dollar mehr als die bereinigten Haltekosten der Telefonie-Firma.

Doch das Geschäft sieht sich einer ungewissen Zukunft gegenüber. Die Einnahmen von Skype werden hauptsächlich durch Anrufe bei Nicht-Nutzern generiert. Während das Unternehmen Marktanteile gewinnt, sinkt der Anteil der Anrufe, die außerhalb des Netzwerks getätigt werden, und die Spannen schrumpfen.

Donahoe wird sich dieses Risiko vielleicht nicht aufhalsen wollen. Darüber hinaus verdient Ebay ihr Geld mit Online-Marktplätzen, nicht mit der Telekommunikation. Firmen wie Google und Microsoft andererseits könnten die Internet-Telefonie in ihre E-Mail- und Chat-Dienste integrieren. Da Kommunikationsdienste im Paket wertvoller sind als einzeln, hätte Skype für diese Firmen einen größeren Wert als für Ebay. Sie wären deshalb wahrscheinlich bereit, etwas draufzulegen.

Natürlich erschweren die derzeitigen Marktbedingungen einen Verkauf immens. Fusionen und Akquisitionen sind auf der Strecke geblieben, und gedrückte Vielfache in allen Sektoren bringen es mit sich, dass die Unternehmen einfach ihre eigenen billigen Aktien kaufen und einen soliden Ertrag einstreichen können. Doch noch verfügen Firmen wie AT&T, Google und Microsoft allesamt über enorme Barbestände. Und ein Wachstum wie bei Skype findet man nicht alle Tage.

Donahoe mag zögern, einen derart schnell wachsenden Dienst für weniger herzugeben als seine Vorgängerin dafür gezahlt hat. Aber das taugt nicht viel als Entschuldigung, wenn er damit Geld beibringen könnte, das Ebay im Interesse der Aktionäre einsetzen könnte - vielleicht um damit ihre eigenen billigen Aktien zurückzukaufen, die derzeit bei dem nur Achtfachen der für das kommende Jahr erwarteten Ergebnisse gehandelt werden. Donahoes Investoren würden dann vielleicht das Abenteuer, das Ebay mit Skype eingegangen war, in einem milderen Licht sehen.

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