EDF/British Energy
Erkämpfe Dein Recht

Das Übernahmeangebot des französischen Stromerzeugers an British Energy wurde von einigen Aktionären des britischen Atomkraftwerkbetreibers als zu gering zurückgewiesen. EDF könnte es aber noch gelingen, die Lücke mithilfe eines etwas seltsam anmutenden Finanzkonstrukts zu schließen – einem erfolgsabhängigen Besserungsschein (Contingent Value Right, CVR). Die Konzeption ist nicht ganz einfach, aber möglich.

EDFs Plan, British Energy zu übernehmen ist noch nicht ganz vom Tisch. Der staatlich-kontrollierte französische Versorger und einige einflussreiche Aktionäre des britischen Atomkraftkonzerns haben entschieden unterschiedliche Auffassungen über den Wert von British Energy. Aber mithilfe erfolgsabhängiger Besserungsscheine (Contingent Value Rights, CVR) könnte die Quadratur des nuklearen Kreises doch noch gelingen.

Der sogenannte CVR ist eine Variation zum Thema "Stub-Equity", darunter waren ursprünglich Wertpapiere zu verstehen, die Aktionäre davor schützen sollten, beim Verkauf ihres Unternehmens an eine Beteiligungsgesellschaft übervorteilt zu werden. Von Stub-Equities war in den Boomzeiten der Leveraged Buyouts häufig die Rede, eingesetzt wurden sie jedoch nur sehr selten. Britische Investoren verweigerten Privatisierungspakete mit Stub-Elementen zum Beispiel im Falle des Senders ITV und der Einzelhandelskette Marks and Spencer im Jahr 2006. Und als der Flughafenbetreiber BAA in diesem Jahr ein Stub-Angebot machte, zogen es die Investoren vor, ihre Barmittel zu nehmen und sich aus dem Staub zu machen.

Ein CVR könnte vielleicht attraktiver wirken. Bei diesem Konstrukt handelt es sich nicht um einen Eigenkapitalanteil, sondern um die Aussicht auf eine zusätzliche Auszahlung. Übersteigt der Unternehmensgewinn unter bestimmten, sorgfältig definierten Umständen, einen bestimmten Betrag, erhalten die Eigentümer der Besserungsscheine einen fest vereinbarten prozentualen Anteil. Im Falle von British Energy wären die Auslöser eine bestimmte Strompreishöhe und ein bestimmtes Energievolumen, das die in die Jahre gekommenen Reaktoren erzeugen.

Der Haken liegt allerdings darin, dass die von EDF vorgeschlagenen Konditionen des British-Energy-Besserungsscheins einen weniger hohen Nachschlag versprechen, als die mauernden Aktionäre verlangen. Das EDF-Angebot bestand in der Option, entweder 765 Pence pro Aktie in Barmitteln zu erhalten oder alternativ 700 Pence plus Besserungsschein.

EDF kann die Konditionen immer noch verbessern, das aber ist riskant. Der CVR muss so ausbalanciert sein, dass einerseits der Anreiz für EDF entsteht, mehr Energie zu produzieren, und andererseits, die früheren British-Energy-Aktionäre attraktive Zusatzausschüttungen aus der Mehrproduktion erwarten können. So könnte zum Beispiel durch eine Verlängerung der Lebenszeit der britischen Reaktoren mehr Strom erzeugt werden. Das aber dürfte umfangreiche zusätzliche Investitionen erfordern. Wenn also EDF den Ex-Aktionären zu viel verspricht, könnte die eigene Rendite sich als unzureichend erweisen.

Die Anreize müssen auf beiden Seiten fair verteilt sein. Der Prozess des Interessenausgleichs ist vielleicht komplex, aber unmöglich ist er nicht.

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