Eigenhandel
Die Wall Street entzaubert sich

Die großen Spieler der Wall Street lüften langsam den Schleier des Geheimnisses darüber, wie sie ihr Geld machen. Goldman Sachs unternimmt zusammen mit einer Handvoll anderer Institute kleine Schritte, um ihre Handelsgeschäfte zu entzaubern.

Die großen Spieler der Wall Street lüften langsam den Schleier des Geheimnisses darüber, wie sie ihr Geld machen. Nein, Goldman Sachs überreicht jetzt nicht gleich das Buch mit den Geheimrezepten, mit denen die Investmentbank im dritten Quartal Rekordergebnisse produziert hat, während im August gleichzeitig die Kreditmärkte zusammenbrachen. Aber das Unternehmen unternimmt zusammen mit einer Handvoll anderer Institute kleine Schritte, um ihre Handelsgeschäfte zu entzaubern. Die Investoren sollten diese Entwicklung begrüßen.

Goldman verlagert etwa die Hälfte ihres Teams für Eigenhandelsstrategien - den Tisch für Aktienarbitrage, wo der ehemalige Finanzminister Robert Rubin sein Vermögen gemacht hat - auf den Investmentbereich. Morgan Stanley überlegt gerade, den Aktienhandel nach quantitativen Gesichtpunkten, bei dem ausgeklügelte Computermodelle eingesetzt werden, um die Kursunterschiede vergleichbarer Wertpapiere auszunutzen, von der Investment Banking-Division in den Bereich Asset Management zu verschieben.

Das hört sich jetzt vielleicht nicht gerade nach einer großartigen Neuigkeit an. Und die Reformen erfordern wahrscheinlich auch keine größere Anstrengung, als für ein paar hundert Handelsterminals einen neuen Platz zu finden - in Firmen, die zehntausende Mitarbeiter zählen. Und doch ergeben sich einige klare Vorteile.

Als Teil des Investmentbereichs wären diese Handelsplattformen bestens geeignet, zusätzliche Mittel von Drittparteien locker zu machen. Das sollte Gebühreneinnahmen schaffen. Und die Nachfrage nach Kapital würde nicht mehr länger mit der aus anderen Teilen des Wertpapiergeschäfts konkurrieren. Das sollte den Händlern größere Flexibilität einräumen, wenn der Markt eng wird und sie gezwungen sein könnten, einige Positionen aufzugeben, um der Firma Liquidität bereit zu stellen.

Für das Arbitrage-Team bei Goldman winkt noch ein Bonus: Die Händler könnten plötzlich größere Freiheiten dabei haben, in Unternehmen zu investieren, die an Transaktionen beteiligt sind, die einst für das Team wegen der Stellung der Investmentbank als weltweit führender Fusionsberater tabu waren.

Wichtiger jedoch ist, dass die Pläne sinnbildlich die Besorgnis der Wall Street-Manager widergeben, ihr Sachverstand beim Geldverdienen werde von den Anlegern einfach nicht richtig respektiert. Seit Blackstone und Fortress Investment in diesem Jahr an die Börse gegangen sind, haben sich die Investmentbanken ziemlich, nun ja, armselig gefühlt.

Die beiden Hedge Fonds- und Beteiligungsgesellschaften verzeichnen Kurs-/Gewinn-Aufschläge um 50 Prozent gegenüber ihren Wall Street-Mitstreitern. Und das, obwohl sie sich bei Geschäften engagieren, die sich bemerkenswert ähneln. Der Hauptgrund dafür, dass Investmentbanken zu geringeren Vielfachen gehandelt werden - bei Goldman sind es zehn und bei Morgan Stanley acht - besteht darin, dass die Investoren nicht genügend Einblick in die Handelsaktivitäten haben, besonders in jene Bereiche, in denen die Gesellschaft ihr eigenes Kapital einsetzt. Indem sie Teile dieser Bereiche ins Asset Management integrieren, können die Investmentbanken ihren Investoren mehr Vertrauen bei der Bewertung dieser Aktivitäten schenken. Das wird ihre Aktien nicht gleich morgen in die Höhe treiben, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

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