Eigenkapitalregeln
Europäische Banken: Die Angst vor der Leverage Ratio

Banker auf dem europäischen Kontinent laufen Sturm gegen die zur Diskussion stehenden neuen Eigenkapitalregeln. Unter den neuen Vorschriften sehen sie sich gegenüber US-Banken benachteiligt. Die Harmonisierung der Kapitalvorschriften wird beiderseits des Atlantiks Veränderungen erfordern. Für Europäer könnte die Anpassungslast allerdings härter ausfallen als für amerikanischen Banken.
  • 0

Europäische Politiker haben schon seit Langem strengere Eigenkapitalvorschriften gefordert. Jetzt aber sehen sich führende Banker auf dem Kontinent durch die voraussichtlichen neuen Kapitalerfordernisse der G20 gegenüber den USA benachteiligt.

Die Finanzdienstleister der Region fühlen sich vor allem durch die mögliche Einführung von Leverage Ratios (Verhältnis von Eigenkapital zu Bilanzsumme) angegriffen, über die man in der G20-Runde spricht. Die Bankenaufseher diskutieren eine Begrenzung der Vermögenswerte auf das rund 25-fache des Eigenkapitals. Die neue Vorschrift soll allerdings nicht über Nacht eingeführt werden. Europas Banker protestieren jedoch gegen diesen Ansatz, da er in ihren Augen ein unverblümter Angriff gegen den traditionell risikoorientierten Eigenkapitalansatz der Europäer ist. In der vergangenen Woche haben bereits die Chefs der französischen BNP Paribas und Société Générale vor entsprechenden Schritten gewarnt.

BNPP wäre von den neuen Regeln besonders schwer betroffen. Nach Angaben von Nomura hat die Bank eine der höchsten Leverage Ratios der Branche. Für die meisten US-Banken wäre eine Vorgabe solcher Quoten dagegen weitaus weniger schwerwiegend. Die staatliche US-Einlagensicherung schreibt Leverage Limits für das Privatkundengeschäft schon seit Jahren vor. Schwarzseher werden anführen, dass sie auch nichts daran ändern konnten, dass die Schuldenkrise in den USA ihren Anfang nahm.

In Europa haben die Aufsichtsbehörden dagegen die Eigenkapitalerfordernisse immer als Prozentsatz der risikogewichteten Vermögensbestände - als Tier-1-Quote - festgelegt. Die Kapitalmarktwächter wollen auch hier nachbessern, zum Beispiel indem sie die Möglichkeit, eigenkapitalähnliches Hybridkapital zu berücksichtigen, auslaufen lassen.

Die Rechnungslegungsunterschiede machen einen Vergleich zwischen US-amerikanischen und europäischen Leverage Ratios schwierig. Vergrößert wird das Problem noch durch den Vorschlag, auch in den Mindesteigenkapitalanforderungen des Baseler Bankenkomitees eine Leverage Ratio zu verankern. Das könnte dazu führen, dass unterschiedliche Banken mit unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards die gleiche, einheitliche Quote erfüllen müssen.

Wahrscheinlich aber bringt europäische Banker jede Form von Leverage Ratio auf die Palme, unabhängig davon, ob die Fragen der Vergleichbarkeit gelöst werden können oder nicht. Als die Schweizer Bankenaufsicht bestimmte, dass UBS und Credit Suisse sich in Richtung einer Minimum Leverage Ratio von 3 Prozent zu bewegen hätten, mussten beide Banken Kapital aufnehmen, trotz ihrer gesunden Tier-1-Quoten. Kein Wunder also, dass europäische Kreditinstitute sich bestraft fühlen.

Kommentare zu " Eigenkapitalregeln: Europäische Banken: Die Angst vor der Leverage Ratio"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%