Eigenkapitalrendite
Die verquere Logik der Credit Suisse

Man könnte denken, die Schweizer Bank sei im Risikomanagement einen Schritt voraus. Wie es aus der Bank heißt sei nicht damit zu rechnen, dass die Rendite trotz sinkendem Kreditengagement und hohen Risiken nennenswert fällt. Die Botschaft klingt zu schön, um wahr zu sein.

Credit Suisse glaubt, trotz Risikobegrenzung weiter relativ hohe Renditen erwirtschaften zu können. Die Ambitionen der Schweizer Vermögensverwaltung und Investmentbank sind ehrgeizig - und klingen, als habe sie den Stein der Weisen gefunden.

Einen Grund skeptisch zu sein, liefert aber schon die jüngste Geschäftsentwicklung der Credit Suisse. Sie legte vielleicht bessere Ergebnisse vor als die Konkurrenz, absolut gemessen war ihre Leistung dennoch schwach. Eigentlich glaubte man, die Bank sei im Risikomanagement einen Schritt voraus, dann aber wurde sie von der katastrophalen Marktsituation zum Jahreswechsel genauso erfasst wie alle anderen, sodass sie das vierte Quartal mit einem überraschend hohen Verlust von 6 Milliarden Schweizer Franken (4 Mrd. EUR) abschließen musste. Und obwohl die Bank eigentlich von den Problemen des Konkurrenten am anderen Ende der Stadt, UBS, hätte profitieren müssen, flossen ihr netto nur enttäuschende 2 Milliarden Schweizer Franken zu, weil der Zustrom durch geringere Kreditaufnahmen der Kunden kompensiert wurde.

Dennoch hört man aus der Bank, dass sich die Renditen in der Zukunft kaum reduzieren werden. Es gibt sicher vieles, womit die in Zürich beheimatete Bank prahlen könnte - sie hat ihr Geschäft gründlich aufgeräumt, schwer veräußerbare Vermögenswerte abgestoßen oder abgeschrieben und dabei auf jeden Hokuspokus in der Rechnungslegung verzichtet, den andere Banken ganz gern eingesetzt haben. Auch den Rekordverlust 2009 kann die Credit Suisse dank des höchsten Kapitalpolsters der gesamten Branche leicht verkraften. Aber diese komparativen Vorteile haben auch ihren Preis. Zusätzliche Kapitalreserven, Entschuldung und Risikobegrenzung werden ihren Niederschlag in geringeren Renditen finden. Hier spätestens wird die Credit-Suisse-Argumentation unglaubwürdig. Erst hielt sie zu lange an ihrem überoptimistischen Ziel einer Eigenkapitalrendite von 20 Prozent fest, jetzt hat sie es revidiert - allerdings gerade mal auf 18 Prozent.

Der Vorteil der Credit Suisse: sie hatte das Glück noch spät im vergangenen Jahr relativ günstig Kapital aufnehmen zu können-ohne dazu die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Und das Zukunftsvertrauen der Bank basiert auf einem Gedankenmodell, das zeigt, wie sie sich unter einer veränderten Strategie entwickelt hätte. Aber die Zielerreichung scheint stark davon abzuhängen, dass in der Vermögensverwaltung deutlich höhere Margen verdient werden und das Privatkundengeschäft, das höhere Renditen abwirft, dynamisch wächst - in einer Zeit, in der auch die Reichen ärmer werden.

Wenn es Credit Suisse gelingt, ihr Geschäftsmodell so anzupassen, dass sie geringere Risiken eingeht, damit aber nahezu die gleichen Erträge erwirtschaftet, ist ihr ein bewunderungswürdiges Stück Alchimie gelungen. Aber ihr jüngstes Ergebnis und der Zustand der Welt sprechen dafür, dass die optimistische Zielsetzung realistisch nicht zu begründen ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%