Eigennützige Versöhnungsgeste
Yahoo hat wenig zu verlieren

Yahoo sollte Microsoft trotz derzeitiger Reibereien dazu zwingen, Farbe zu bekennen. Während sie sich nämlich streiten, gewinnt Google stetig an Vorsprung. Deshalb sollte Yahoo nun handeln und mit einer großen Versöhnungs-Umarmung anbieten, Microsofts MSN zu kaufen.

Yahoo hat wenig zu verlieren. Seine Aktien sind derzeit nur ein Drittel der 31 Dollar wert, die Microsoft im Februar geboten hatte. Die angekündigte Partnerschaft mit Google wurde Wochen abgeblasen, während gleichzeitig Microsoft-Boss Steve Ballmer jegliche Annäherungsversuche öffentlich vehement ablehnt. Diese Flops bewogen Jerry Yang nun zum Rücktritt.

Währenddessen gewinnt Google immer größere Marktanteile am Suchgeschäft - zu jedermanns Nachteil. Jüngste Zahlen vermelden eine 63-prozentige Dominanz auf dem US-Markt - nach Comscore-Angaben acht Prozent mehr als im letzten Jahr. Yahoo ist dabei der größte Verlierer mit derzeit nur mehr mageren 20 Prozent Anteil.

Yahoos Bosse behaupten, diesen Trend mit einer größeren Bandbreite stoppen zu können. Bei Suchfunktionen machen sich dank des Schneeball-Effekts auch kleine Zuwächse bemerkbar. Je mehr Suchanfragen ein Dienst abwickelt, umso effektiver arbeiten dessen Suchalgorithmen. Bessere Ergebnisse ziehen mehr Nutzer an, der Kreis schließt sich.

Stünde Yahoo hinter seinen Behauptungen, müsste man nun anbieten, Microsofts MSN-Sparte zu kaufen. MSN leidet mit mickrigen 8,5 Prozent US-Marktanteil gleichermaßen unter der Google-Dominanz. Zudem würden viele Microsoft-Aktionäre eine Abstoßung des permanent unwirtschaftlichen und für das Management ungesund arbeitsintensiven Geschäftsfelds begrüßen.

Wie viel ist MSN wert? Als Leitfaden lässt sich die Google-Bewertung von 1,5 Milliarden Dollar pro Prozentpunkt Marktanteil heranziehen. Zieht man davon ein Drittel ab, um der Google-Dominanz Rechnung zu tragen, bleibt ein möglicher MSN-Wert von acht Milliarden Dollar. Yahoo, etwa doppelt so viel wert, könnte Microsofts MSN übernehmen - im Tausch gegen ein Drittel des fusionierten Unternehmens, plus Ansprüche auf Gewinne aus dem Zusammenschluss.

Diese Offensive böte noch mehr Nutzen für Yahoo. Indem man Microsoft zur Verteidigung seines suboptimal laufenden Suchgeschäfts zwingt, brächte man den Rivalen eventuell auch dazu, seine Angst vor der Bedrohung des Software-Kerngeschäfts durch das Cloud Computing einzugestehen.

Ballmer konnte die Yahoo-Aktien mittels einiger weniger Worte vernichten. Eine öffentliche Offerte gäbe Yahoo dieselbe Macht. Außerdem besteht immer noch die Möglichkeit, dass sich ein großer Bär eines kleinen, nervigen Bärchens dadurch entledigt, dass er es einfach schluckt.

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