Einbruch zu Wochenbeginn
Kein Erntedankfest an den Märkten

Auf das Erntedankfest folgte an den Aktienmärkten eine Magenverstimmung. Im Vorlauf des großen Truthahnessens zeigten die Märkte noch eine große Erholungsbewegung, teilweise wegen der Erleichterung über die Citigroup-Rettung und teilweise in Reaktion auf das jüngste 800-Milliarden-US-Dollar-Rettungspaket für die Kapitalmärkte der US-Regierung.

Doch sobald die USA aus dem Feiertag zurückkehrten, bekamen die Aktienmärkte Prügel von allen Seiten.

Es gibt nicht nur einen einzelnen Grund, warum Aktien die Hälfte ihrer Erholungsgewinne wieder einbüßten. Das ist aber nur ein schwacher Trost. Schlechte Nachrichten kommen aus jeder Ecke.

Was die Realwirtschaft angeht, so hätte der gestrige Bericht darüber, dass die USA sich seit einem Jahr in der Rezession befinden, kaum derart verstörend wirken sollen. Viel beunruhigender ist die zunehmende Auffassung, dass die Rezession auch im nächsten Jahr nicht enden wird.

Ironischerweise bekam diese Ansicht weiteren Auftrieb durch eine Bemerkung von US-Notenbankchef Ben Bernanke, der sagte, ihm gehe die Munition zur Deflationsbekämpfung nicht aus. Angesichts der auf ein Prozent gesunkenen offiziellen Zinsen gibt es nicht mehr viel Spielraum für konventionelle geldpolitische Lockerungen. Die US-Notenbank kann aber immer noch die langfristigen Zinsen senken, indem sie Staatsanleihen aufkauft. Wenn Bernanke eine derart drastische Maßnahme erwägt, müssen die Verantwortlichen wirklich sehr besorgt sein. Die Aussage Bernankes ließ zudem die Kurse von Staatsanleihen steigen, womit Anleger einen weiteren Grund geliefert bekamen, sich aus Aktien zurückzuziehen.

Schließlich gibt es auch noch technische Faktoren. Die letzte Gelegenheit zur Rückgabe von Hedgefondsanteilen vor dem Jahresende ist verstrichen, und das Ausmaß des Schadens wird für eine Weile unklar bleiben. Die Fonds könnten aber auf eine weitere Flut von Anteilsrückgaben reagiert haben, indem sie Aktien verkauften.

Allgemeiner betrachtet, ist das Vertrauen niedrig. Galbraith bemerkte in seiner Geschichte des Börsenzusammenbruchs von 1929, wie oft Rallies an Montagmorgen zerschmettert werden. Nachdem Anleger sich über das Wochenende zu ihren Familien zurückzogen hatten, schienen sie noch risikoscheuer geworden zu sein. Vielleicht ist das Gleiche jetzt am Erntedankfest passiert.

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