Eine Stadt wird gesäubert
Hongkong wagt sich an seine Tycoone

Die Aufsichtsbehörde geht in drei hochkarätigen Fällen gegen die Elite der Stadt vor: Citic Pacific, PCCW und die Lehman-Minibond-Affäre. Der Vorstoß, im Finanzsystem aufzuräumen, ist mutig und hochwillkommen. Aber bei den heutigen Marktstrukturen Hongkongs sind die Tycoone im Vorteil.
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Etwas im "Fragrant Harbour" riecht weniger gut. Hongkong braucht dringend eine Grundreinigung, nachdem die Finanzkrise eine Reihe lokaler Skandale ans Tageslicht befördert hat. Die Aufsichtsbehörde Hongkongs, die Securities and Futures Commission (SFC), hat es nun in drei hochkarätigen Fällen auf einige der mächtigsten Zielgruppen der Region abgesehen: PCCW, Citic Pacific und die Beteiligten der Lehman-Minibond-Seifenoper. Um die Stadt zu säubern, braucht sie alles Glück, das sie nur kriegen kann.

Jede Story hat so ihre Tücken. PCCW zum Beispiel ist das Telekom-Unternehmen des Junior-Tycoons Richard Li. Die SFC beschuldigt einen von Lis Direktoren, über die Aufteilung von Aktienpaketen künstlich neue Aktionäre geschaffen zu haben. Damit sei es ihm gelungen, die notwendige Zustimmung der Aktionäre zu einem zweifelhaften Buyout zu erhalten. Die Probleme des lokalen Konglomerats Citic Pacific sind dagegen ganz anderer Natur. Das Unternehmen verlor durch einseitige Währungsspekulationen 2 Milliarden US-Dollar - und ließ danach 6 Wochen verstreichen, bevor es die Verluste offenlegte. Die SFC hat inzwischen ein vollständiges Untersuchungsverfahren in die Wege geleitet und Vorstandschef Larry Yung, der Sohn eines früheren chinesischen Vizepräsidenten, musste seinen Hut nehmen.

Dann sind da noch die sogenannten Minibonds, die von führenden Banken und Brokerhäusern an Kleinanleger verkauft wurden, von denen viele gar nicht wussten, dass diese Papiere durch Lehman Brothers gedeckt waren. Als Lehman in die Brüche ging, verloren auch zahlreiche dieser Anleger ihre Spargroschen. Die SFC durchkämmt nun die Asche, um Hinweise darauf zu finden, dass die Minibonds zu leichtfertig und ohne entsprechende Aufklärung verkauft wurden.

Sich an die Lokalmatadoren, einen mit Peking verbandelten Oligarchen und die Banken heranzuwagen, ist mutig, vor allem nachdem frühere Versuche aufzuräumen, nur wenig bewirken konnten. Gerade erst gelang es der SFC zum ersten Mal eine Gefängnisstrafe für einen Angeklagten zu erwirken, der des Insiderhandels beschuldigt wurde. Es dauerte allerdings volle sechs Jahre bis es nach der Einführung der entsprechenden Gesetze zu dieser ersten Verurteilung kam. Erst kürzlich gelang es der Unternehmerlobby wieder, Pläne aufzuweichen, den Insiderhandel vor der Veröffentlichung von Unternehmensergebnissen strenger zu begrenzen.

Es ist sogar besonders mutig, wenn man berücksichtigt, dass die Strukturen Hongkongs die Tycoone begünstigen. Die meisten großen Unternehmen - mit der rühmlichen Ausnahme der HSBC-Bank - befinden sich in der Hand eines Großaktionärs. Transaktionen zwischen Verwandten und Bekannten gehören zur Tagesordnung. Das gegenseitige Beziehungsgeflecht geht quer durch alle Aufsichtsgremien.

Auch an demokratischen Strukturen fehlt es. Die SFC wird von der Regierung Hongkongs legitimiert, die nur zum Teil demokratisch gewählt wird. Ihr Vorsitzender wird von einem Ausschuss bestimmt, der überwiegend aus lokalen Geschäftsleuten besteht. Auf diese Weise muss es zwangsläufig zu Interessenkonflikten kommen, wenn es darum geht, Missstände zu beseitigen.

Hongkong muss sich selbst reformieren, so viel ist klar, wenn es den Wettlauf um die regionale Vorherrschaft auf den Finanzmärkten gegen Shanghai gewinnen will. Aber ohne zusätzliche weitreichende Veränderungen an der wirtschaftlichen Arbeitsweise Hongkongs, die die Giganten selbst veranlassen müssen, stehen die Chancen für ein wirkliches Großreinemachen schlecht.

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