Einstieg von Schaeffler
Conti-Aktionäre in der Zwickmühle

Der deutsche Autoteilehersteller Continental hat lediglich einen siebenprozentigen Aufschlag gegenüber einem wenig generösen Ursprungsangebot erzielt. Schaeffler hat zwar einige Bedingungen akzeptiert, doch die Conti-Aktionäre haben wenig Grund, dankbar zu sein.

Übernahmeschlachten enden gewöhnlich mit zwei Siegen. Der Käufer gewinnt das Zielunternehmen, und dessen Aktionäre gewinnen einen großen Batzen Geld. Die Vereinbarung vom Donnerstag, mit der der innerdeutsche Kampf zwischen der Continental AG und Schaeffler beendet wurde, war alles andere als gewöhnlich.

Die in Privatbesitz befindliche Schaeffler-Gruppe bekommt demnach knapp die Hälfte der Anteile des Autoteileherstellers und ist in Bezug auf Strategie und Finanzstruktur durch ein vierjähriges Stillhalteabkommen eingeschränkt, das von einem früheren Bundeskanzler überwacht wird. Die Conti-Aktionäre bekommen 20 Prozent weniger, als die Aktie vor einem Jahr wert war, und einen mageren siebenprozentigen Aufschlag gegenüber dem ersten Angebot.

Obwohl Schaeffler Conti nicht besitzen wird, scheint man vieles von dem bekommen zu haben, was man wollte. Man hätte eine vollständige Übernahme nicht leicht finanzieren können, doch die für 50 Prozent der Aktien benötigten sechs Milliarden Euro kann die ambitionierte Familienfirma leicht aufbringen. Die Beschränkungen mögen zwar schmerzvoll sein, doch mit dem Rücktritt des widerspenstigen Vorstandsvorsitzenden Manfred Wennemer scheint der Weg für Schaeffler zur vollen Kontrolle der Unternehmensleitung ziemlich klar zu sein.

Für Conti-Aktionäre ist kein Sieg in Sicht. Sicherlich stellt das Angebot einen 39-Prozent-Aufschlag gegenüber dem Aktienkurs vor der Offerte dar, dieser jedoch war stark niedergedrückt. Aus diesem Grund werden viele das Angebot nicht annehmen. Diese Zurückhaltung ist genau das, was Schaeffler braucht. Um der Vereinbarung mit Conti zu folgen, muss der Käufer alle Aktien jenseits der Grenze von 49,99 Prozent bei Finanzinstituten parken, die fünf Jahre Zeit haben, diese zu verkaufen.

Doch für Conti-Aktionäre ist Abwarten auch nicht unbedingt reizvoll. Mit einem dominanten Anteilseigner ist die Firma praktisch vor Angeboten sicher. Und wenn das Stillhalteabkommen endet, kann Schaeffler nach Lust und Laune zusätzliche Aktien am Markt kaufen, ohne gesetzliche Verpflichtung, ein volles Übernahmeangebot zu machen.

Infolge dessen hängen außer Schaeffler alle Aktionäre in der Luft. Sie sollten einiges ihrer Wut auf den Conti-Aufsichtsrat richten, der an den Arbeitern und anderen Anteilseignern stärker interessiert schien als an einer Maximierung des Aktienwerts. Die größte Schuld tragen aber die deutschen Übernahmegesetze, die eine Abfolge von Billigofferten und schleichender Kontrolle erlauben.

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