Emap
Sternschnuppen-Wünsche

Emap verkauft ihre Sparten Publikumszeitschriften und Radiosender, behält aber ihre Kronjuwelen: Wirtschaftspublikationen und Events. Die Gebote für diese Sparte waren für den Geschmack des Managements zu niedrig. Anscheinend setzt die Unternehmensleitung darauf, dass das Geschäft später um einiges mehr wert sein wird. Es gibt Aktionäre, die darauf nicht warten wollen.

Emap setzt alles auf den Bereich Business-to-Business (B2B), seinen ganzen Stolz und seine Freude. Von den Sparten Publikumszeitschriften und Radiosender hat sich das britische Medienunternehmen nun verabschiedet, behält aber die Wirtschaftspublikationen und den Geschäftszweig Events. Die Gesellschaft hatte auch dieses Glanzstück zum Verkauf gestellt, aber weder Bieter aus der Branche noch Beteiligungsgesellschaften hatten mit ihren Geboten den Mindestpreis erreicht. Also wartet Emap vorerst ab und hofft auf eine höhere Bewertung, wenn sich das Marktumfeld verbessert.

Der Board war davon ausgegangen, dass der B2B-Zweig, der eine Gewinnspanne im operativen Geschäft von 30 Prozent vorweisen kann, rund 1,3 Mrd. Pfund Sterling wert ist. Dafür hat das Gremium zwei Argumente. Zunächst einmal sei der B2B-Bereich als eigenständig anzusehen und damit mindestens das Elffache des Betriebsgewinn wert und nicht nur das Neunfache, das der Aktienmarkt ihm als Division eines Mischkonzerns zugesteht. Nach der Hochrechnung der erwarteten Ergebnisse im Geschäftsjahr per März 2008 würden damit 1,3 Mrd. Pfund erreicht. Zum zweiten entspricht dieser Betrag demselben Vielfachen von 4,7 der Umsätze, das Informa in einer jüngsten auffallenden Transaktion in der Branche für Datamonitor gezahlt hat.

Vor der Kreditkrise hätte Emap ihren verlangten Aufschlag möglicherweise auch bekommen – und mehr. Aber die Finanzierungskonditionen sind enger geworden und die wirtschaftlichen Aussichten sind nicht mehr so rosig. Die Aktienkurse von Medienunternehmen sind in den vergangenen sechs Monaten um 20 Prozent gefallen. Zwar zeigte sich Emap glücklich darüber, 718 Mill. Pfund für ihre Publikumszeitschriften erzielt zu haben, aber vor ein paar Monaten wäre mehr drin gewesen.

Es gibt einige gute Gründe, auf B2B zu setzen. Über 40 Prozent des Umsatzes in dieser Sparte werden mit dem Veranstalten von Wirtschaftskonferenzen eingefahren. Das sind wichtige Anlässe, um Netzwerke zu knüpfen und auszubauen, die sich auch gegenüber einem Abschwung als widerstandsfähig erweisen dürften. Ein Viertel des Umsatzes ist sogar noch sicherer: Es wird mit Geschäftsbereichen wie WGSN erzielt, einem Online-Portal mit Daten aus dem Modebereich, dessen Nutzer ihr Abonnement zu 95 Prozent erneuert haben. Der Rest entfällt auf Branchenmagazine wie „Retail Week“ - das sind gut gemachte Titel mit einer loyalen Leserschaft.

Aber es ist immer auch ein Risiko dabei, wenn man Geld beiseite wischt, das schon auf dem Tisch liegt. Wirtschaftlich schlechte Zeiten haben es so an sich, auch offensichtlich grundsolide Geschäfte zu untergraben. Ganz sicher werden einige Investoren dabei nicht untätig zusehen wollen. Der Aktienkurs von Emap ist, nachdem die Transaktion veröffentlicht worden war, um neun Prozent gefallen.

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