Emerging Markets
Wachsam sein und das Richtige tun

Durch ihre klamme Finanzlage sind viele aufstrebende Länder davor bewahrt worden, es bei den Konjunkturprogrammen zu übertreiben. Jetzt erfreuen sie sich des relativ billigen Geldes und des wieder auflebenden Handels. Zu den Risiken gehören eine erneute Kreditklemme und ein aufkommender schleichender Protektionismus anderer Nationen.
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Länder mit niedrigem Einkommen werden besonders langsam aus der Rezession herauskommen, legt die Weltbank nahe. Allerdings könnte es diesen Nationen tatsächlich zu Gute kommen, dass sie übertriebene Programme zur Konjunkturförderung vermieden haben, auch wenn ihre Finanzlage klamm ist.

Die Risiken für die ärmsten Länder und für den Großteil der aufstrebenden Märkte umfassen eine erneute Kreditklemme und einen schleichenden Protektionismus in anderen Ländern.

Es trifft zu, dass die ärmsten Länder Investitionszuflüsse und Hilfen in einem Ausmaß verloren haben, das die Basisdienstleistungen gefährden könnte. Doch die Weltbank geht fehl in ihrer Behauptung, dass die Unfähigkeit dieser Länder, während der Krise Konjunktur fördernde Ausgaben zu finanzieren, sie jetzt behindert. Das Kapital, das zur Verfügung steht, kann jetzt produktiver eingesetzt werden, als dies mit Konjunkturprogrammen der Fall gewesen wäre.

Zumindest was den größten Teil der Emerging Markets angeht, hat sich die Verfügbarkeit von Kapital beträchtlich verbessert. Der JP Morgan EMBI+, ein Anleihe-Index für aufstrebende Märkte, zeigt auf, dass die Renditespanne gegenüber US-Staatsanleihen wieder auf etwa 300 Basispunkte gesunken ist, was dem Niveau von vor der Krise entspricht. Damit sind die Spreads gegenüber ihrer Spitze von 850 Basispunkten im Oktober 2008 dramatisch geschrumpft, auch wenn sie immer noch recht weit von den Spannen über 170 bis 200 Basispunkte entfernt sind, die auf dem Höhepunkt der Kreditblase 2006 und 2007 verzeichnet worden waren. Diese Entwicklung legt nahe, dass kreditwürdige Darlehensnehmer Mittel zu überschaubaren Kosten aufnehmen können.

Multilaterale Kreditinstitute haben zudem in den vergangenen Monaten vielfach Zusagen für zusätzliche Finanzmittel erhalten, die sicherstellen sollten, dass die Regierungen der ärmsten Länder auch Zugang zu Finanzierungen haben.

Doch die sich entwickelnden Volkswirtschaften sehen sich zwei großen Risikofaktoren ausgesetzt, selbst wenn sie selbst eine solide Politik verfolgen. Die erste Gefahr besteht in einem Rückfall der sich erholenden globalen Finanzmärkte, entweder weil sich negative wirtschaftliche Überraschungen einstellen oder weil die Regierungen der reichen Länder den geldpolitischen Straffungsprozess falsch handhaben.

Der zweite Risikofaktor besteht darin, dass protektionistische Tendenzen entwickelter Nationen den Handel beeinträchtigen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass langfristige Verbesserungen der Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern allgemein eher von der Ausweitung des Außenhandels und der Investitionen begleitet werden und nicht von Hilfsmittelzuflüssen. US-Präsident Barack Obama hat Zölle auf verschiedene Importwaren verhängt, angeblich um "Anti-Dumping"-Richtlinien umzusetzen. Aber wenn er noch viel weiter geht, oder andere Länder ähnliche Schritte einleiten, könnten die globalen Handelsflüsse ernstlich gestört werden.

Wenn dies eintreten würde, dann würden die aufstrebenden Volkswirtschaften leiden, und zwar vermutlich unverhältnismäßig. Die Regierungen dieser Länder müssen diese Gefahren genau im Auge behalten und auch selbst das Richtige tun.

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