Emerging Markets
Wirklich aufstrebende Märkte

Die Aktien von Unternehmen aus aufstrebenden Märkten haben die der entwickelten Märkte überflügelt und ein Rekordvolumen an Erstemissionen hervorgebracht. Selbst wenn die Aktienmärkte ins Trudeln geraten, werden die Volkwirtschaften der aufstrebenden Länder wahrscheinlich standhalten.

Fast die Hälfte des weltweiten Erstemissionsvolumens über 57 Mrd. Dollar im dritten Quartal entfiel auf Unternehmen, die in aufstrebenden Märkten beheimatet sind. Das ist viel mehr als ihr Anteil an der Weltwirtschaft. Mit 118 Börsengängen im Berichtsquartal für Gruppen in Brasilien, Russland, Indien und China manifestiert sich ein eindrucksvoller Boom. Ein großer Teil davon bezieht sich auf den chinesischen Markt, wo Devisenkontrollbestimmungen und ein riesiger Pool an Ersparnissen die Bewertung des Aktienmarkts in Shanghai auf ein himmelhohes Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 50 getrieben haben.

Das klingt entschieden nach einer spekulativen Blase. Außerhalb Chinas allerdings lassen sich nur moderate Anzeichen für eine Überhitzung ausmachen, auch wenn der Morgan Stanley Capital International Emerging Markets-Index bisher in diesem Jahr um 31 Prozent gestiegen ist. Auf jeden Fall dürften selbst lokal begrenzte Börsencrashs die aufstrebenden Volkwirtschaften insgesamt wohl kaum zum Entgleisen bringen. Ihre Liquidität bewegt sich auf einem Rekordhoch, ihre Zahlungsbilanzen sind positiv und die Kosten für den Schuldendienst gering.

In der traditionellen Denkweise hätte ein weltweiter Kreditengpass die sich entwickelnden Märkte zuerst treffen müssen – wie etwa während der Asienkrise 1997. Diese Mal jedoch verzeichnen diese Märkte im Allgemeinen moderate Zahlungsbilanzüberschüsse, außer in Osteuropa, wo die Aussichten auf einen EU-Beitritt zu massiven Kapitalzuflüssen geführt haben. Die Devisenreserven der aufstrebenden Märkte präsentieren sich mit 3,2 Bill. Dollar bzw. 2,1 Bill. Dollar ohne China, ebenfalls auf Rekordniveau. Dabei werden vor dem Ende des kommenden Jahres nur Schuldtitel dieser Märkte über rund 420 Mrd. Dollar fällig.

Damit ist teilweise erklärt, warum sich die Bond-Indizes aufstrebender Märkte in den vergangenen fünf Jahren gut entwickelt haben. Gut, die Risiko-Aufschläge auf Schuldtitel sind in allen Sektoren zurückgegangen. Aber die Tendenz spiegelt auch eine echte Verbesserung bei der Kreditwürdigkeit vieler aufstrebender Länder wider.

Probleme gibt es: Zu nennen wären etwa der überbordende Wachstumskurs Chinas, ein Defizit der öffentlichen Hand in Indien und übertriebene, auf Fremdwährungen lautende Hypothekenausleihungen in Osteuropa. Aber allgemein scheint die wirtschaftliche Expansion der aufstrebenden Märkte auf einem soliden Fundament zu stehen. Diese Märkte sind nicht immun gegen eine weltweite Kreditkrise. Aber heute sind ihre finanziellen Positionen generell belastbar. Sie werden wahrscheinlich nicht das Epizentrum der nächsten Krise bilden.

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