Emissionsratings
Brennendes Interesse

Es ist oft billiger, den Kohlendioxid-Ausstoß in armen Ländern zu begrenzen als in reichen. Doch viele Projekte haben sich als enttäuschend oder, schlimmer noch, als Betrug erwiesen. Eine unabhängige Aufsicht sollte den Investoren solcher Vorhaben einen nützlichen Dienst erweisen.

Die Rating-Agenturen waren im Verlauf des vergangenen Jahres großen Schmähungen ausgesetzt. Daher mag die Wahl des Zeitpunkts seltsam erscheinen, nun ein ähnlich gelagertes Geschäft auf die Beine zu stellen, um Projekte auf ihre Kreditwürdigkeit hin zu prüfen, die den Ausstoß von Treibhausgasen eindämmen sollen. Doch der 60 Mrd. Dollar schwere, schnell wachsende Markt für den Handel mit Emissionsrechten ist reif für den Plan von Idea-Carbon, genau diese Dienste anzubieten.

Will man den Kohlendioxid-Ausstoß innerhalb eines Landes senken, dann ist eine Besteuerung fossiler Energieträger der effizienteste Weg. Allerdings ist es möglicherweise billiger, die Emissionen von Treibhausgasen in armen Ländern zu begrenzen als in reichen. Ein kohlebetriebenes Kraftwerk in Schweden ist wahrscheinlich weitaus leistungsfähiger als eines in Bulgarien oder Tansania. Da die Schadstoffe sich allerdings nicht an Landesgrenzen halten, haben die Vereinten Nationen ein System eingeführt, Emissionsrechte international zu handeln.

Unglücklicherweise haben sich viele Projekte als enttäuschend, oder schlimmer noch, als Betrug erwiesen. So haben zum Beispiel Zuckerproduzenten Rechte erhalten, Zuckerrohrabfälle als Brennstoffe mit niedriger Emission einzusetzen. Da aber einige von ihnen dies ohnehin geplant hatten, hätten sie nicht noch zusätzlich Umweltzertifikate dafür erhalten sollen.

Unabhängige Beobachter könnten diese Quadratur des Kreises durchbrechen. Projekte, die wahrscheinlich hinter den Erwartungen zurückbleiben oder nur minimale Schadstoffverringerungen abwerfen, werden mit niedrigen Noten versehen. Besser bewertete Vorhaben sollten in der Lage sein, ihre zusätzlichen Verschmutzungsrechte zu verkaufen. Und ihr attraktiveres wirtschaftliches Profil sollte es ihnen leichter machen, Kapital an Land zu ziehen. Besser noch: Die Welt bekommt mehr für jeden in die Absenkung von Kohlendioxid-Emissionen investierten Euro geboten.

Natürlich gibt es potenzielle Interessenskonflikte. Wenn die Eigentümer für die Ratings zahlen müssen, dann könnten die Analysten versucht sein, die Projekte unangemessen optimistisch zu bewerten. Ein bisschen Wettbewerb würde weit reichen, um den Markt hier sauber zu halten. Und es gibt bestimmt ausreichend Platz für mehr als nur eine Agentur, wenn man das erwartete Wachstum des Markts bedenkt - die nächste US-Regierung wird mit fast hundertprozentiger Sicherheit irgendeine Form des Emissionsrechtehandels einführen.

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