Energieriese EDF
Frankreich hat versagt

Vor zehn Monaten hat die EDF mit Unterstützung der französischen Regierung für die Hälfte der Nuklearbereiche der US-Firma Constellation Energy 4,5 Mrd. Dollar geboten. Unter dem neuen Chef Henri Proglio will sich die Energiegesellschaft nun aus Amerika zurückziehen. Gibt es ein besseres Argument dafür, die EDF ganz zu privatisieren?
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Die französische Regierung scheint auf abstruse Art und Weise dafür zu plädieren, die Energiegesellschaft EDF zu privatisieren. Besser ist nicht zu bemänteln, dass sich der Staat wie der schlimmstmögliche Aktionär benimmt, den der Versorger nur haben kann.

Der französische Staat ist bei der EDF fast schon traditionell als schlechter Sachwalter aufgetreten. Die Regierung hat Verwaltungsratsmitglieder berufen, die blind abzeichneten, was auch immer ihnen vorgelegt wurde, und die sich dann überrascht zeigten, wenn die Fehler des Unternehmens – und derer gab es in der Vergangenheit einige – zu groß wurden, um sie ignorieren zu können. Jetzt ist Frankreich bereit dazu, den möglichen Rückzug des Stromriesen aus dem US-Markt abzusegnen – und zwar kaum zehn Monte nachdem die Regierung grünes Licht für eine Strategie gegeben hatte, die auf das genaue Gegenteil abzielte.

Henri Proglio, der angehende Chef von EDF, will einen umstrittenen Deal streichen, der darauf abzielt, die Hälfte des Nukleargeschäfts der im US-Bundesstaat Maryland ansässigen Constellation Energy zu kaufen. Im vergangenen Dezember hatte die EDF den Investor Warren Buffett mit einer Offerte übertrumpft, bei der die Vermögenswerte der US-Firma zum Doppelten dessen bewertet wurden, was der “Weise aus Omaha” zu zahlen bereit war. Doch seitdem aufsichtsrechtliche Hürden ins Spiel kamen, hängen die Nuklearprojekte der EDF in der Luft. Proglio sagt, er wolle nicht, dass die Gruppe als Geisel des Gouverneurs von Maryland und seiner politischen Entscheidungen endet. Er würde sich strategisch lieber auf Europa konzentrieren. Das ist seine Alternative, und eine vernünftige noch dazu. Eine derartige Verlagerung der Ausrichtung dürfte zumindest die Minderheitsaktionäre der EDF erfreuen, so klein diese Gruppe angesichts des Staatsanteils an EDF von 85 Prozent auch sein mag.

Was die französische Regierung betrifft, so wird es schwierig für sie, zu argumentieren, dass der Abschluss mit Constellation von Anfang an nicht sinnvoll und zu kostspielig war. Der Staat ernennt sechs der 18 Verwaltungsratsmitglieder der Energiegesellschaft direkt und nimmt de facto die Auswahl sechs weiterer Mitglieder vor, die als „unabhängig“ gelten. Den Rest entsenden die Gewerkschaften. Jeder – außer dem Verwaltungsrat, so scheint es – wusste, dass der Deal mit Constellation sowohl teuer als auch riskant war, als er eingegangen wurde. Es stimmt zwar, dass der Verschuldungsgrad der EDF zu hoch ist und die Verbindlichkeiten der Gruppe über 37 Mrd. Euro abgebaut werden müssen. Aber dies war auch schon vor zehn Monaten der Fall.

Die Strategie der EDF mag Drehungen und Wendungen unterworfen sein, doch wenigstens eines bleibt immer konstant: die abgrundtief schlechte Leistung, die der französische Staat als Aktionär abliefert.

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