Englands Finanzen
Kein Victory-Zeichen weit und breit

Jeder wünscht sich Wirtschaftswachstum, doch in den USA und Großbritannien wird der Wunsch zur Notwendigkeit. Die schwindelerregenden Haushaltsdefizite beider Nationen spielen mit einer schnellen Rückkehr zum Turbo-Wachstum – und sind unfinanzierbar, sollte sich diese noch länger verzögern. Die USA erfreuen sich dabei besserer Überlebenschancen.
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Was ist mit GB? Die Bank of England demonstriert weiterhin vehement ihr Misstrauen. Nicht nur entschied sie sich als Beweis dafür zuletzt, weitere 50 Mrd. Pfund zu drucken. Nein, drei Mitglieder des finanzpolitischen Ausschusses, darunter Zentralbankchef Mervyn King, forderten sogar noch mehr!

Die Omen sind trügerisch. Üblicherweise verzeichnen Firmen im Juli ein saftiges Einkommensplus - 2009 müssen sie kämpfen. Die Steuerreinnahmen sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15 Prozent, das Finanzdefizit lag bei acht Mrd. Pfund. In den ersten vier Monaten des Fiskaljahrs schrumpften die Steuereinnahmen um knapp 12 Prozent, weit höher als die von der Regierung prognostizierten 7,5 Prozent.

Sollte sich das britische Wachstum weiter zieren, könnte sich der auf 175 Mrd. Pfund vorhergesagte Schulden-Koloss auf über 200 Mrd. Pfund aufblähen. Dabei gibt es ohne drastische Einschnitte keine Aussicht auf baldige Besserung. Und wer soll Großbritannien aus der Schuldenfalle befreien?

Derzeit übernimmt das die BoE in gigantischem Ausmaß. Doch auch sie kann das Spiel der quantitativen Lockerung nicht ewig betreiben. Verlieren die Investoren das Vertrauen in die britischen Finanzen, könnten die Zinsen auf die Regierungsschulden trotz der BoE-Bemühungen steigen.

Warum aber kommen die USA damit durch? Der Unterschied liegt weniger in der Taktik, als im Timing. Die US-Immobilienblase platzte vor der britischen, die Korrekturen sind beinahe beendet. Großbritannien hinkt zwei Jahre hinterher. Ungeachtet jüngster Verteuerungen sieht es so aus, als sänken die britischen Immobilienpreise weiter. Die Briten selbst müssen beim Konsum noch mehr sparen. Sie werden die Regierungsbilanzen so schnell nicht aus dem Sumpf ziehen - eine Finanzpanik droht.

So ist das Glücksspiel eben: wer Pech hat, verliert. Ordentliche Regierungen sollten deshalb die Finger davon lassen.

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