ENI hilft russischem Monopolisten
Gazproms Winkelzüge: Teure Freundschaft

Freundschaften sind etwas Schönes. Der russische Monopolist Gazprom etwa bekommt die 2,4 Mrd. Dollar, die er braucht, um 20 Prozent seines eigenen Ölkonzerns Gazprom Neft zu erwerben, von der italienischen Öl- und Gas-Gruppe Eni. Und doch versteht niemand, warum Gazprom seine Option gerade jetzt wahrnimmt.
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Freundschaften sind etwas Schönes. Der russische Monopolist Gazprom etwa bekommt die 2,4 Mrd. Dollar, die er braucht, um 20 Prozent seines eigenen Ölkonzerns Gazprom Neft zu erwerben, von der italienischen Öl- und Gas-Gruppe Eni. Eine Reihe von russischen, größtenteils staatseigenen Banken wird Gazprom bei der Finanzierung des anderweitig schwierig umzusetzenden Deals helfen. Purzelnde Rohstoffpreise, 48 Mrd. Dollar Schulden und ein um 75 Prozent gefallener Aktienkurs wären dem Ankauf im Wege gestanden.

Und doch versteht niemand, warum Gazprom seine Option gerade jetzt wahrnimmt. Mit 75 Prozent der Ölfirma bereits im Besitz hätte man bessere Zeiten abwarten können. Vielleicht will Gazprom die Minderheitseigner ausbezahlen. Dank der dehnbaren russischen Handelsregeln wäre das theoretisch möglich und würde derzeit nur zusätzliche 400 Mio. Dollar kosten.

Seinen Anteil wird Eni natürlich nicht zum Spottpreis hergeben. Er fiel den Italienern bei der umstrittenen Auktion im Rahmen von Wladimir Putins gnadenloser Hetzjagd auf Michail Chodorkovskij zu. Der Ex-Yukos-Boss wurde wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt, sein Konzern zerschlagen. Gazprom kaufte den Großteil des Bestands. Aus Angst vor ausländischen Untersuchungen des krummen Geschäfts, bat man Eni und den italienischen Gaskonzern Enel, zusammen für die Hinterlassenschaft zu bieten. Wunderbarerweise zogen alle Rivalen ihre Gebote zurück.

Eni - bei den Russen schon lange äußerst beliebt - wird sich seine Güte teuer bezahlen lassen: mit neun Prozent Zinsaufschlag auf den ursprünglichen Preis. Wenig überraschend auch, dass Eni zu den Befürwortern des South Stream Pipelineprojekts zählt, das russisches Gas nach Südeuropa transportieren soll, ohne die Ukraine zu durchqueren.

Derweil steht Chodorkowskij dank eines weiteren sinisteren Schachzugs für die identischen Anschuldigungen zum zweiten Mal vor Gericht. Yukos ist zwar Geschichte, doch westliche Konzerne werden schon einen Weg finden, dem Kreml und den Bart zu gehen.

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