Enttäuschende Quartalszahlen
Ausgerechnet ExxonMobil leidet unter hohem Ölpreis

Mit rund 500 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung ist ExxonMobil ein wahrer Ölriese. Ironischerweise leidet gerade der US-Gigant derzeit bei jedem Liter Benzin, der durch die Zapfsäulen fließt. Denn die dem hohen Ölpreis zu verdankenden Mehrerträge werden zunichte gemacht durch niedrigere Gewinnspannen bei der Raffinierung und höhere Bohrkosten. Notiert der Ölpreis noch länger auf schwindelerregenden Höhen, wird sich die Lage noch verschlimmern.

Wenn mit ExxonMobil die 500 Milliarden US-Dollar schwere Mutter aller Ölmultis unter einem Rekordstand des Ölpreises leidet, kann man von Ironie sprechen. Der US-Ölproduzent vermeldete unlängst trotz Rohöl-Hausse einen höher als erwartet ausgefallenen Gewinnrückgang im dritten Quartal. Wie zuvor bei den Konkurrenten BP und Shell zeigte sich, dass durch den hohen Ölpreis erzielte Mehrerträge aufgefressen werden durch niedrigere Gewinnspannen bei der Raffinierung und höhere Bohrkosten. Es sieht kaum danach aus, als würde sich diese Situation bald ändern.

Explodierende Kosten im Explorations- und Produktionsbereich konnte Exxon in den vorangegangenen Quartalen noch durch Rekordgewinne der Raffineriesparte ausgleichen, im Vorquartal steuerte dieser Bereich sogar ein ganzes Drittel zum Gesamtgewinn bei. In diesem Quartal war es jedoch nicht mehr möglich, den höheren Preis des Ausgangsstoffes Rohöl an die Käufer von veredelten Produkten wie Benzin, Kerosin oder Heizöl weiterzugeben. Der Preisanstieg des schwarzen Goldes hat letztlich doch Bremsspuren bei der globale Nachfrage hinterlassen. Exxon setzte im letzten Quartal jedenfalls drei Prozent weniger mit Raffinerieprodukten um als im Vorjahreszeitraum, obwohl 1,5 Prozent mehr Rohöl durch die Veredelungsanlagen floß. Erhöhte das Unternehmen die Preise, ging die Nachfrage nur noch stärker zurück.

Dank ungezügelter Spekulation wurde der Preis für Rohöl auf immer neue Höhen getrieben, obwohl immer weniger davon gebraucht wird. Das unschöne Resultat für Exxon war ein Rückgang der Raffineriegewinne um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, gegenüber dem Vorquartal lag der Rückgang sogar bei kolossalen 48 Prozent. Bemerkenswert dabei ist, dass Exxon im Vergleich zu seinen Wettbewerbern noch die geringsten Einbußen aufzuweisen hat ? weil der US-Riese billigere Rohölsorten verarbeiten kann. Die Raffineriesparten von Shell und ConocoPhillips in den USA verbuchten beispielsweise Gewinnrückgänge von 64 und 54 Prozent.

Auch im Explorations- und Produktionsbereich gingen die Exxon-Gewinne zuletzt zurück, bedingt durch Enteignungen und die sinkende Ergiebigkeit von Ölfeldern. Das Volumen geförderten Rohöls sank gegenüber dem Vorquartal um fünf, gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent. Angesichts der Rekordstände beim Ölpreis hätte dieser Produktionsrückgang zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt für ExxonMobil kommen können.

Wie man sieht, profitiert der von Rex Tillerson geführte texanische Ölmulti keineswegs immer, wenn das schwarze Gold teurer wird. Für die gewöhnlich an der Zapfsäule geschröpften Autofahrer mag das vielleicht ein Grund zur Freude sein, für die Exxon-Aktionäre ganz sicher nicht.

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