Erderwärmung
Ein Prosit auf die Enkel

Die hohen Energiepreise haben die Wähler dafür sensibilisiert, was es kosten kann, die globale Erwärmung zu mildern. Aber selbst George Bush gibt jetzt zu, dass etwas getan werden muss. Die G8 hat einen Weg gefunden, die politischen Risiken eines harten Durchgreifens zu entschärfen: Die Gruppe der acht führenden Industrienationen hat Emissionsziele übernommen, die erst 2050 in Kraft treten.

Globale Erwärmung: Die hohen Energiepreise haben die Wähler eher dafür sensibilisiert, was die Abmilderung der globalen Erwärmung vielleicht kosten könnte. Aber selbst George Bush gibt jetzt endlich zu, dass etwas getan werden muss. Die Gruppe der acht führenden Industrienationen (G8) hat einen Weg gefunden, um die politischen Risiken eines harten Durchgreifens zu entschärfen: Sie hat ein flexibles Ziel für die Kohlendioxidemissionen übernommen, das nicht vor 2050 in Kraft tritt. Bis dahin könnten theoretisch zehn weitere US-Präsidenten ihr Amt angetreten haben.

Das Kyoto-Protokoll hatte feste Ziele für die Verringerung des Treibhausgasausstoßes bis 2012 - also 15 Jahre nach der Unterzeichnung des Abkommens - festgelegt. Kyoto wurde erst 2005 in Kraft gesetzt, und es scheint wahrscheinlich, dass nur Großbritannien und osteuropäische Länder sich auf ihre Kyoto-Ziele zu bewegen. Trotzdem hatten die Obergrenzen zu konkreten Maßnahmen innerhalb der EU und bei den nicht zur EU gehörenden Unterzeichnern des Protokolls geführt. Sie haben sich als nützliche Werkzeuge für die Einführung des Emissionsrechtshandels mit Umweltzertifikaten erwiesen.

Die Bemühungen, einen Nachfolgeplan für Kyoto zu finden, sind zeitlich mit einem heftigen Anstieg der Kosten von Rohöl und anderen Energieträgern zusammengefallen. In die Höhe schießende Energiepreise begrenzen zwar die Kohlendioxidemissionen, sind aber bei den Wählern höchst unpopulär, so dass weitere Erhöhungen, die durch formelle Restriktionen entstünden, sich als politisch riskant für ihre Befürworter herausstellen würden.

Beide US-Präsidentschaftskandidaten sind der Ansicht, dass gegen die globale Erwärmung vorgegangen werden muss, und beide unterstützen das Kontrollsystem des Emissionsrechtshandels. Nach dem Januar 2009 müsste also eigentlich der Weg frei sein für eine globale Einigung auf ein viel strenger gehandhabtes System der Festlegung der Emissionsobergrenzen und der entsprechenden Ausgabe von Umweltzertifikaten, die zum Ausstoß einer bestimmten Menge an Treibhausgasen berechtigen. Wenn allerdings die Energiepreise hoch bleiben, könnte dies einem politischen Selbstmord gleichkommen.

Doch die Politiker der Welt haben jetzt eine Lösung gefunden. Da das Umweltbewusstsein bei den Wählern weiterhin einen außerordentlich hohen Stellenwert einnimmt, haben sie Ziele zur Verringerung der Treibhausgase angekündigt, die streng erscheinen. Allerdings haben sie die schmerzhaften Begleiterscheinungen ihrer Umsetzung auf das Jahr 2050 vertagt und auch für die Zwischenzeit keine Reduktionsziele vereinbart. Das G8-Protokoll wird den nächsten US-Präsidenten kaum dem Druck aussetzen, handeln zu müssen - selbst wenn er zwei Amtszeiten absolviert.

Da sich also die ehrgeizigen Ziele des Protokolls während der Lebenszeit der meisten Unterzeichner nicht manifestieren werden, gibt es kaum einen Grund, warum China und Indien sich nicht der positiven Außenwirkung versichern sollten, die mit einer Unterzeichnung einherginge. Und doch haben sie abgelehnt. Dem "reichen Westen" die Schuld an dem ganzen Problem zuzuschieben, kommt bei ihrem eigenen Wahlvolk immer noch am besten an.

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