Erdgas
Gazprom auf allen Leitungen

Die staatliche französische Energiegruppe EDF dürfte als Partner der russischen Gazprom und der italienischen ENI bei dem Pipeline-Projekt South Stream einsteigen. Nach dem Willen des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin soll sein Land den europäischen Erdgasmarkt beherrschen und den Plänen für alternative Lieferwege ein Ende bereitet werden. Putin könnte sich durchsetzen.
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Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin steht kurz davor, das letzte Etappenziel auf seiner Reise zu erreichen, mit der er Russland die Vormachtstellung auf dem europäischen Erdgasmarkt sichern will. Die staatliche französische Energiegesellschaft EDF soll als Partnerin von Gazprom und der italienischen ENI bei dem geplanten Pipeline-Projekt South Stream einsteigen, bei dem russisches Erdgas vom Schwarzen Meer nach Südeuropa geführt werden soll. Während seines Arbeitsbesuchs in Paris dürfte der russische Ministerpräsident eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnen.

Vor ein paar Wochen hatte der französische EDF-Konkurrent GDF Suez angekündigt, einen Anteil von 9,5 Prozent an Nord Stream übernehmen zu wollen. Nord Stream ist ein weiteres Gasleitungsprojekt, das Russland in Kürze in Angriff nehmen will und bei dem Gas durch die Ostsee transportiert werden soll. Wenn all diese Pläne umgesetzt werden, dann hätte sich Frankreich Deutschland, dem Partner Russlands bei Nord Stream, und Italien beigesellt, das wiederum bei South Stream engagiert ist, um Putin dabei zu unterstützen, dass die Europäer nicht auf aberwitzige Ideen verfallen, was die Diversifizierung ihrer Gaslieferrouten angeht.

Die Abschlüsse der französischen Energiegesellschaften versetzen dem Nabucco-Projekt einen weiteren Schlag. Das Konkurrenzvorhaben sollte den EU-Staaten dabei helfen, ihre übermäßige Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen abzuschütteln. Die Zukunft von Nabucco sieht jetzt ungewisser aus denn je. In das Pipeline-Projekt, das von der EU und den USA politisch unterstützt wird, sind die Türkei und einige osteuropäische Länder eingebunden. Das einzige, was Nabucco fehlt, ist Erdgas, denn Anbieter, die willens oder fähig wären, zu liefern, waren bisher nicht aufzutreiben.

Es mag seltsam erscheinen, dass sich die europäischen Versorger so hastig darauf stürzen, neue langfristige Erdgasverträge mit Russland abzuschließen. Schließlich sind viele von ihnen derzeit bemüht, nicht all das Gas, das zu kaufen sie sich bereits verpflichtet haben, auch abzunehmen. Brancheninsidern zufolge versucht Gazprom gerade, gemäß den "Take or Pay"-Klauseln der Verträge rund drei Mrd. Dollar von Eon und ENI wieder hereinzubekommen. Durch die Rezession ist die weltweite Nachfrage nach Erdgas zurückgegangen.

Aber das ist nicht Putins Problem. Mit Nord Stream wird er über eine Pipeline verfügen, die an der Ukraine und den dort lauernden Schwierigkeiten vorbeiführt. Und South Stream braucht er am Ende vielleicht nicht einmal. Das Projekt war weitgehend dazu ersonnen worden, Nabucco den Garaus zu machen. Aber das scheinen die Europäer auch ohne russische Hilfe recht gut hinzubekommen. Putin könnte sogar vorschlagen, die beiden Vorhaben zusammenzulegen - unter der Leitung Russlands.

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